News: Wer braucht schon den Digitalpakt, wenn es Corona gibt?

Aufgrund der aktuellen Situation sind viele Lehrende momentan dazu gezwungen, sich mit den Vorzügen aber auch Tücken der digitalen Lernwelten auseinanderzusetzen. Um mit den Schüler*innen in Kontakt zu bleiben, gibt es in Zeiten wie diesen so gut wie keine andere Möglichkeit als die Nutzung digitaler Bildungsangebote. Manchen Lehrer*innen fällt dies jedoch schwerer als anderen.

Doch nicht nur den Pädagogen verlangt Corona so einiges ab. Auch für viele Lernende ist es eine komplett neue Erfahrung, mithilfe digitaler Medien zu lernen. Schließlich muss sich der ein oder andere unter ihnen erst dazu überwinden, in das Mikrofon zu sprechen oder in den Chat zu schreiben, wo es alle Klassenkamerad*innen sehen können. Und selbst wenn die Schüler*innen diese Hürde meistern, bleibt die Kommunikation oftmals trotzdem, aufgrund fehlender Mimik und Gestik, eingeschränkt.
Hinzukommt, dass viele Kinder und Jugendliche kaum über entsprechende Kompetenzen für den sicheren Umgang im Netz und mit digitalen Medien verfügen. Zu solchen Unsicherheit im digitalen Raum zählt darüber hinaus auch der Datenschutz. Durch die damit einhergehenden rechtlichen Unklarheiten wird die Varietät der Aufgabenstellungen sowohl für die Schüler*innen als auch für Lehrende weiterhin eingeschränkt, da beispielsweise eine Video-Präsentation o.ä. nicht möglich ist.  
Ein weiteres grundlegendes Problem besteht weiterhin darin, dass dass nicht jede Familie über einen Zugang zu entsprechender technischer Ausstattung verfügt, die E-Learning ermöglicht. Damit einher gehen soziale und gesellschaftliche Disparitäten.

Julius Lukas bringt die momentane Situation in seinem Artikel „Unterricht plötzlich digital. Fluch und Segen virtueller Bildungsangebote.“ auf den Punkt:

„Was die vielfachen Mahnungen von Experten und Förderprogramme wie der milliardenschwere Digitalpakt nicht zustande gebracht haben, könnte jetzt Corona schaffen: Die Digitalisierung des Unterrichts“ (1).

Tatsächlich ist es so, dass Deutschland bezogen auf die Digitalisierung der Bildung im internationalen Vergleich von Vorreitern wie Dänemark abgehängt wird. 

Auch Prof. Dr. Ballod findet für die momentane Entwicklung passende Worte:

„Corona ist der Impuls von außen, der eine längst überfällige Bewegung in Gang gesetzt hat“ (2).

Die Pandemie zwingt viele Lehrkräfte, die zuvor vor digitalen Lernmöglichkeiten zurückgeschreckt sind, dazu, sich damit auseinanderzusetzen: „Die Bereitschaft, sich mit digitalen Medien zu befassen, steigt rapide“ (3). 

Und genau diese Bereitschaft gilt es nun unserer Meinung nach auszunutzen! Dementsprechend sollten Lehrende auch nach Öffnung der Schulen an den zahlreichen Möglichkeiten digitaler Medien festhalten und die in Corona-Zeiten erworbenen Kompetenzen weiter festigen sowie an die Lernenden weitergeben, „sonst kommen die positiven Nebeneffekte durch den aktuellen Digitalisierungsschub schnell zum erliegen“ (4). 

Quellen 

(1) Zit. Julius Lukas: Plötzlich digital. Halle: Mitteldeutsche Zeitung (30. April/1. Mai 2020).

(2) Zit. Prof. Dr. Matthias Ballod: Plötzlich digital. Halle: Mitteldeutsche Zeitung (30. April/1. Mai 2020). 

(3) Zit. Prof. Dr. Matthias Ballod: Plötzlich digital. Halle: Mitteldeutsche Zeitung (30. April/1. Mai 2020)

(4) Zit. Prof. Dr. Matthias Ballod: Plötzlich digital. Halle: Mitteldeutsche Zeitung (30. April/1. Mai 2020)

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