Was benötigt Deutschland für eine erfolgreiche Digitalisierung?

Unser aller Alltag wird momentan entscheidend von dem Corona-Virus geprägt. Aufgrund der wochenlangen Schul- und Hochschulschließungen im Zuge der Pandemie kam digitalen Lernplattformen von heute auf morgen schlagartig eine neue Bedeutung zu. Dies stellt jedoch Schulen und Hochschulen, Lehrkräfte und Dozierende, Schüler*innen und Studierende sowie nicht zuletzt die Eltern vor bisher ungeahnte Herausforderungen und Probleme.

Vor allem die Schulen kommen in diesen schwierigen Zeiten an ihre digitalen und technischen Grenzen. Das geplante E-Learning funktioniert nicht überall im Land und vor allem überall nicht gleich gut. So kommt es auf das Engagement von Eltern und Lehrkräften an, das Beste aus der Situation zu machen.

Möglicherweise ziehen die Schulen und vor allem die Schüler*innen jedoch mit Blick auf die Zukunft einen Vorteil aus dieser Pandemie: Sie hat nämlich eindeutig gezeigt, dass Deutschland mehr für eine Digitalisierung der Schulen benötigt als „nur“ den Digitalpackt.

Doch was genau braucht es denn, damit Deutschland im internationalen Vergleich, wenn es um Sachen Bildung geht, mit Vorreitern wie Dänemark mithalten kann?

Medienbildung als erster Schritt in die richtige Richtung

Für viele Kinder und Jugendliche gehören soziale Medien zur alltäglichen Lebenswelt dazu wie das Zähneputzen. Eine Welt ohne Internet ist für viele von Ihnen gar nicht mehr vorstellbar. Sie informieren sich auf Blogs über die neues Ereignisse und bekommen ihre Nachrichten aus sozialen Netzwerken

Doch dies stellt junge Menschen vor ganz neue Herausforderungen: Sie müssen selbstständig Informationen, Quellen, etc. prüfen. Darin liegt gleichzeitig die große Gefahr, dass Kinder und Jugendliche auf bewusst verbreitete Falschmeldungen, sogenannte Fakenews, reinfallen. 

Diese Fakenews können Vorurteile schüren, Menschen gegeneinander aufhetzen und im schlimmsten Fall Wahlen beeinflussen. Spätestens seit dem US-Wahlkampf 2016 sind sie deshalb auch in aller Munde. 

Trotz der Wichtigkeit dieser Nachrichtenkompetenz zeigt die Shell-Jugendstudie 2019 deutliche Defizite bei Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren. Nur wenige von ihnen sind in der Lage, Fakten von Fakenews zu unterscheiden. Dies liegt vor allem daran, dass sie die Quellen ihres Wissens nicht weiter hinterfragen. 
Denkt man in diesen Zusammenhang über den Tellerrand der Schule hinaus, fördert die fehlende Medienbildung die politische Polarisierung und stellt damit eine Gefährdung für unsere Demokratie dar. 

Um ein Bewusstsein für den Umgang mit dem Internat und neuen Medien zu schaffen, liegt es nahe, Medienbildung als verpflichtendes Unterrichtsfach einzuführen. Doch neben einem Medienfach werden auch noch Fächer für Umwelt, Ökonomie und Inklusion vorgeschlagen. Offen bleibt, welche Priorisierung Medienbildung erhalte. Ganz davon abgesehen, dass für die Verwirklichung solcher Projekte und Ideen schlichtweg die Ressourcen fehlen.  

Digitalisierung braucht Fortschritt

Um die Digitalisierung der Schulen voranzutreiben benötigt es schlicht und einfach Fortschritt. Mit der Investition in Struktur und Technik ist bereits ein erster Schritt in die richtige Richtung getan. Doch das reicht noch lange nicht aus, denn die Probleme und Herausforderungen die mit diesem Fortschritt einhergehen sind viel komplexer und nicht unbedingt mit finanziellen Mitteln bestreitbar. 

Es werden neue Konzepte benötigt, die nicht nur den Umgang mit Technik betreffen, sondern auch, wie man diese nutzt. Digitalisierung basiert jedoch nicht nur auf neuen Konzepten, sondern vor allem auch auf einer Offenheit und Bereitschaft zur Veränderung

Auf Seiten der Lehrenden hingegen vollzieht sich oftmals ein linearer Entwicklungsprozess: Schule – Studium – Schule. Das Erlernen fachlicher Kompetenzen steht dabei im Vordergrund. Dadurch entfällt jedoch das Verständnis für die Praxis. Doch gerade dieser Blick in die Praxis sorgt oftmals für neue Impulse und zeigt den Schüler*innen, wofür sie das erlernte Wissen überhaupt benötigen. 

Fazit

Für eine gelungene Digitalisierung der Schulen benötigt es so einige Dinge. Dazu zählt unserer Meinung nach auch ein neues Rollenverständnis auf Seiten der Lehrenden. Sie haben es in der Hand, fächerübergreifende Projekte sowie Praxisbezogenheit in die Institution Schule und in den Unterricht zu integrieren. Damit wird den Kindern nicht nur ermöglicht, eigenständig und sozial zu handeln. Ihnen werden darüber hinaus komplexe Sachverhalte wie Datensicherheit, Fakenews oder künstliche Intelligenz greif- und erlebbar gemacht. 

Ziel dabei ist es, die Lernenden auf eine technologisch ausgerüstete Arbeitsbranche vorzubereiten. Fächerübergreifendes Denken wird zum entscheidenden Schlüssel in einer Welt, in der Berufe zusehends spezifischer und digitaler werden. Unserer Ansicht nacht bereitet die Institution Schule nicht mehr nur auf das Leben vor. Sie soll auf die Zukunft vorbereiten. Und dazu sind schließlich neue Konzepte, Ideen und letztendlich Fortschritt nötig. 

Nachtrag: Projektwoche zum Thema „Podcasts“ am Lyonel-Feininger-Gymnasium Halle

Podcasts sind der „neue“ Trend schlechthin! Ob in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit, zum Einschlafen, auf langen Autofahrten oder beim Kochen: Für einen Podcast zwischendurch ist fast immer Zeit. Das Medium zeichnet sich jedoch nicht nur durch seine unglaubliche Flexibilität-, sondern auch durch sein vielfältiges Themenspektrum aus. Von Beziehungstipps über ungeklärte Mordfälle bis hin zu den aktuellsten Nachrichten ist in der Welt der Podcasts für jeden Geschmack etwas dabei. 

Grund genug, sich dieses Medium einmal genauer anzusehen! Genau das haben die Studierenden des Seminars „Podcasts im Deutschunterricht: Konzeption, Realisation, Evaluation“ auch getan. Dabei waren sie jedoch nicht alleine: In Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern des Lyonel-Feininger-Gymnasiums gestalteten sie im Wintersemester 2019/20 eine Projektwoche zu diesem Thema.

Erfahrungsbericht

In dem folgenden Beitrag berichtet uns die Studentin Melina Balde, wie sie die Projektwoche und alles drum herum erlebt hat:

Vorbereitung

Vor dem Start der Projektwoche beschäftigten uns Studierende zahlreiche Fragen: Kennen die Schülerinnen und Schüler Podcasts und wenn ja, haben sie Interesse daran? Wie können wir das Thema Podcasts für die Lernenden am interessantesten darstellen?

In dem Seminar, dass uns auf die Projektwoche vorbereitete, diente uns als literarische Grundlage und thematische Orientierung der Roman „Erebos“ von Ursula Poznanski.
Letztendlich haben wir die Themen jedoch weitgehend unabhängig von „Erebos“ entwickelt und eher versucht, lebensweltliche Bezüge für die SuS in den Projektgruppen aufzugreifen. So entstanden folgende sechs Projektgruppen:

  • „Start & Select“ – neuer Podcast, Podcast laden, Podcast speichern
  • Instagram, Snapchat, TikTok und Co. – Zeitfresser oder Erholung?
  • Werte (virtuell und reell)
  • Freundschaft & Co KG – was Freundschaft ausmacht?
  • Emo(ji)tion
  • Von Podkinski bis Harry Podcast – zu Recht gehyped?

Um den Schülerinnen und Schülern die Entscheidung für eine Projektgruppe zu erleichtern, hatten wir im Vorfeld Plakate gestaltet, auf denen unsere Projekte kurz vorgestellt wurden. Diese wurden in der Schule ausgehangen und die Schülerinnen und Schüler konnten sich für ihr Wunschprojekt eintragen.

Aushang Projektvorstellung der Gruppe „Von Podkinski bis Harry Podcast“

Durchführung

Der praktische Teil des Seminars, die Projektwoche, fand dann vom 27. – 31.01.2020 am Lyonel-Feininger-Gymnasium statt.

Das besondere an der Projektwoche war, dass wir nicht alleine vor der Lernendengruppe standen, sondern zu zweit oder sogar zu dritt. Für die meisten von uns war es das erste Mal Teamteaching und eine ganz neue Erfahrung.
Natürlich hat man sich im Vorfeld Gedanken darüber gemacht, wie es sein würde, nicht alleine vor der Klasse zu stehen, sondern sich die Verantwortung zu teilen. Würde man sich gegenseitig ins Wort fallen oder würden gar Konflikte entstehen?
Meiner persönlichen Erfahrung nach waren diese Sorgen jedoch völlig unbegründet. Ich stand noch nicht besonders oft vor einer Klasse und hatte vor dem ersten Tag der Projektwoche ein mulmiges Gefühl, war aufgeregt und hatte Respekt vor der Aufgabe, die vor uns lag. Doch nach diesem ersten Tag waren alle Zweifel verschwunden.
Meine Teampartnerinnen und ich haben uns vorher abgesprochen, wer welche Unterrichtssequenzen übernimmt, aber haben vieles auch frei aus der Situation heraus entschieden, was in unserem Fall sehr gut funktioniert hat.
Das wichtigste war, meiner Meinung nach, dass wir vor den Schülerinnen und Schülern immer als geschlossene Einheit aufgetreten sind und Unstimmigkeiten erst nach Unterrichtsende besprochen haben.

Am ersten Tag ging es hauptsächlich darum, die Gruppe kennenzulernen, erste Einblicke in das Thema „Podcasts“ zu geben und herauszufinden, welchen Standpunkt die Lernenden diesbezüglich einnahmen. Wir haben versucht, die Kennlernspiele so auszusuchen, dass sie zu unserem übergeordneten Thema passten wie z.B. „Das geheime Geräusch“.
Um uns direkt zu Anfang ein Stimmungsbild der Schülerinnen und Schüler einzuholen, spielten wir den Ausschnitt einer Folge eines bekannten Podcasts vor und stellten den Lernenden Fragen. Somit konnten wir die Gestaltung der Projektwoche an eventuelle Erfahrungen bzw. Interessen der Schülerinnen und Schüler anpassen: „Wie ist Euer erster Eindruck? Habt Ihr schon Podcasts gehört, wenn ja welche? Warum hört Ihr Podcasts? Wie ist Eure Meinung zu Podcasts?“.
Da die meisten bis dato kaum Erfahrungen mit Podcasts gemacht hatten, waren wir in unserer Planung der kommenden Tage ziemlich frei.
Zum Abschluss des Tages stellten wir unsere wochenbegleitende Feedbackmethode vor. Jeder Projektgruppe wurde frei überlassen, wie oder ob sie ein Feedback der Schülerinnen und Schüler einholen wollte. Unserer Gruppe war dies jedoch sehr wichtig.
Mithilfe der Sprachnotizfunktion der iPads nahmen die Schülerinnen und Schüler unserer Projektgruppe am Ende eines jeden Projekttags ihr Feedback für uns auf. Zur Unterstützung hatten wir folgende Fragen vorbereitet:

  • Was hat Euch heute am besten gefallen?
  • Was hat Euch nicht so gut gefallen?
  • Was wünscht Ihr Euch für den nächsten Tag?

Dieses Feedback schickten sie uns dann am Ende jedes Tages zu.

Nach einem Spiel zum Einstieg sind wir am zweiten Tag auf Podcasts im Allgemeinem eingegangen und haben uns mit möglichen Merkmalen von diesen beschäftigt. Da die meisten Schülerinnen und Schüler vorher noch nie einen Podcast gehört hatten, wollten wir ihnen durch eine Auswahl unterschiedlicher Podcasts einen Einblick in deren Welt verschaffen und damit aufzuzeigen, was diese genau ausmacht.
Danach gingen wir auf die technischen Voraussetzungen ein, die nötig sind, um einen eigenen Podcast zu erstellen.
Wir hatten uns, wie bereits erwähnt, für die Arbeit mit iPads und dem darauf vorhandenen Programm zum Schneiden und Einfügen von Geräuschen namens „Garageband“ entschieden.

Am dritten und vierten Tag der Projektwoche arbeiteten die Schülerinnen und Schüler hauptsächlich in Gruppen von zwei bis fünf Personen an ihrem eigenen Podcast. Die Lernenden waren bei der Wahl des Themas für ihren Podcast völlig frei, wodurch ganz unterschiedliche Produkte entstanden.

Am Freitag wurden schließlich die Ergebnisse aller Projektgruppen vorgestellt. Im ersten Block hatte zunächst jede Gruppe Zeit, ihren Raum zu gestalten und verschiedene Hörstationen aufzubauen. Anschließend durften die Schülerinnen und Schüler sich frei im Schulgebäude bewegen und die Ergebnisse der anderen Gruppen anhören.

Schlusswort

Mit diesem kleinen Erfahrungsbericht konntet Ihr hoffentlich einen kleinen Einblick in die Projektwoche bekommen. Weitere Informationen dazu findet Ihr auch auf dem [D-3]-Blog unter dem folgenden Link:

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Melina Balde, die sich freundlicher Weise dazu bereit erklärt hat, diesen tollen Erfahrungsbericht zu verfassen!

Abschließend möchten wir uns ganz herzlich für die Unterstützung der engagierten Lehrkräfte des Lyonel-Feininger-Gymnasiums bedanken!

Computational Thinking – Wird der Mensch zur Maschine?

Unsere Welt hat sich seit der Erfindung und Etablierung des Internets innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend verändert – so schnell wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Daten innerhalb von Millisekunden von einem Kontinent zum anderen gesendet werden.
Das digitale Zeitalter hat viele lebensbereichernde, aber vor allen lebensverändernde Erfindungen mit sich gebracht, die den Alltag von jedem von uns prägen. Für viele Menschen steckt hinter dieser Technologie nach wie vor die Vorstellung von Informatiker*innen, die den ganzen Tag vor ihren Rechnern sitzen und an hochkomplexen Algorithmen basteln. Es ist jedoch ein Irrglaube, dass die Maschine das Untersuchungsobjekt der Informatik ist. Schließlich sind Computer auch nur von Menschen gestaltete Systeme und kein Naturphänomen, die es zu bewundern und zu ergründen gilt.
Und genau an dieser Stelle liegt der entscheidende Knackpunkt: Der Mensch und seine kreative Gestaltungskraft sind die eigentlichen Gegenstandsbereiche der Informatik und vieler weiterer Disziplinen. Davon ist zumindest die Informatikprofessorin Jeannette Wing überzeugt, die seit 2006 rund um das sogenannte „Computational Thinking“ forscht, und darum kämpft, dass das informatische Denken einen festen Platz in den Curricula der Schulen erhält.

Erste Bundesländer haben sich diesem Trend bereits angeschlossen und das „Computational Thinking“ in den Sachunterricht der Primarstufe sowie in den Informatikunterricht der Sekundarstufe integriert. Doch dies reicht noch lange nicht aus, um, bezogen auf diese Kompetenz, die Position Deutschlands im internationalen Vergleich zu verbessern.
Laut der ICIL-Studie 2018, in der erstmals auch die Kompetenz des „Computational Thinkings“ getestet wurde, schneidet Deutschland in diesem Bereich nämlich unterdurchschnittlich schlecht ab. Eine Verankerung dieses analytischen, von Algorithmen geprägten Denkens in den Lehrplänen Deutschlands erscheint als eine Lösung des Problems.

Doch was ist dieses „Computational Thinking“? Warum sollten wir es in die Schulen, ja sogar in die Kindergärten integrieren? Und werden damit kommende Genrationen zu Maschinen erzogen?

„Computational Thinking“ – Was ist das überhaupt?

„Computational Thinking ist der Gedankenprozess, der sowohl die Formulierung eines Problems als auch die Repräsentation der Problemlösung so darstellt, dass sie von Menschen oder durch Maschinen ausgeführt werden könnte.“

Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/soll-der-mensch-wie-ein-computer-denken-ld.1292090

Dabei wird die Problemlösung in mehrere Schritte mit bestimmten Aufgabentypen unterteilt, die dann in einen Computer programmiert werden können, um somit das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Das computergestützte Denken umfasst entsprechend eine Reihe von mentalen Werkzeugen, die die Breite des Gebietes der Informatik widerspiegeln.

Damit bildet die Technik des Computational Thinkings einen Rahmen für das Nachdenken über Aufgaben und Probleme und kann (Schüler*innen) dabei helfen, die Funktionen der digitalen Geräte des Alltags besser zu verstehen. Aus diesem Grund fordern Forscher*innen, dass ergänzend zu Lesen, Schreiben und Rechnen jedem Kind das informatische Denken als notwendige analytische Fähigkeit vermittelt werden sollte.

1940er:

  • Entwicklung erster Computer
  • Etablierung des Begriffs „Computational Thinking“

1980er:

  • Zusammenwirken von Wissenschaft und Informatik zur Erstellung von Modellen
  • Prägung des Begriffs „Computational Thinking“ von Seiten der Wissenschaft
  • Anwendung des Begriffs auf ein pädagogisches Konzept

2006:

  • Veröffentlichung des Artikels mit dem Titel „Computational Thinking“ von Jeannette Wing

Konzeptualisierung, nicht Programmierung
Denken wie ein Informatiker erfordert Denken auf mehreren Abstraktionsebenen.

Grundlegende- statt Routine-Fähigkeiten
Grundlegende Fähigkeiten gehen über die der Routine weit hinaus, denn jeder Mensch muss sie beherrschen, um in der (modernen) Gesellschaft bestehen zu können.

Wie Menschen denken, nicht wie Computer
Informatisches Denken strebt nicht an, Menschen wie Computer denken und handeln zu lassen. Es soll repräsentieren, wie Menschen Probleme lösen – vor allem jetzt, wo sie mit Rechnern ausgestattet sind, die es ermöglichen, Probleme anzugehen und Systeme zu konstruieren, deren Funktionalität nur durch unsere Vorstellungskraft eingeschränkt ist.

Ergänzt und kombiniert mathematisches und ingenieursmäßiges Denken
Informatik stützt sich zwar grundlegend auf mathematisches Denken, bezieht sich aber ebenso auf das ingenieursmäßige Denken, da Systeme gebaut werden, die mit der realen Welt interagieren. Informatiker*innen müssen also einerseits, beschränkt durch die verwendeten Geräte, mathematisch und ingenieursmäßig denken, haben aber andererseits die Möglichkeit, virtuelle Welten, fern von jeglichen Beschränkungen, zu konstruieren.

Idee, kein Artefakt
Nicht nur Software- und Hardware-Artefakte sollen physikalisch präsent sein und das Leben nachhaltig beeinflussen, sondern auch informatische Konzepte zur Problemlösung.

Für alle, überall
Computational Thinking wird ein fester Bestandteil des menschlichen Handelns werden.

Quelle: https://www.cs.cmu.edu/afs/cs/usr/wing/www/ct-german.pdf

Aufbau

„Denken wie ein Informatiker geht über Programmierfähigkeiten deutlich hinaus. Es erfordert Denken auf mehreren Abstraktionsebenen.“

Quelle: https://www.cs.cmu.edu/afs/cs/usr/wing/www/ct-german.pdf

Beim computergestützten Denken werden verschieden Abstraktionsebenen geschaffen und genutzt, um Probleme effektiver verstehen und lösen zu können. Das offensichtlich schwierige Problem soll in ein Problem umgeformt werden, dass durch Prozesse wie Reduktion, Einbettung, Transformation oder Simulation gelöst werden kann. Dabei geht es vor allem darum, ähnlich wie Algorithmen zu denken und auf diese Weise mathematische Konzepte anzuwenden, um effizientere und sicherere Lösungen zu entwickeln.

Das Lösen von Problemen im Sinne des Computational Thinkings setzt sich aus vier Schritten zusammen:

Bei der „Zerlegung“ wird das Problem, das System, der Prozess oder die Aufgabe in kleinere Schritte unterteilt – ähnlich wie bei einem Kochrezept.

Der nächste Schritt besteht darin, im Prozess enthaltene Muster zu erkennen. Dabei wird zunächst nach ähnlichen Dingen gesucht, die zur Erfüllung der Aufgabe erledigt werden müssen. Darunter zählen beispielsweise das Timing bzw. der zeitliche Ablauf eines Prozesses.
Bezogen auf das Beispiel des Kochrezepts bedeutet das zum Beispiel, wie lange das Gericht im Ofen gebacken werden muss.

In diesem Schritt konzentrieren sich die Problemlösenden auf die bedeutenden Dinge, die im Zusammenhang mit der Aufgabe oder dem System stehen. Nur die wichtigsten Schritte und Aspekte des Prozesses werden dabei berücksichtigt.
Bei einem Kochrezept wäre es beispielsweise wichtig zu wissen, bei welcher Ofentemperatur das Gericht gebacken werden muss und welche Backform sich dafür eignet.

Die Problemlösenden entwickeln aus den vorangegangenen Schritten schließlich einen Algorithmus oder eine Formel. Dabei handelt es sozusagen um eine Liste der Schritte und Anweisungen, die befolgt werden müssen, um den jeweiligen Prozess erfolgreich abschließen zu können.
Bezogen auf Computer sind Algorithmen dazu da, ihnen mitzuteilen, was zu tun ist, wenn zwei oder mehrere Dinge passieren bzw. was zu tun ist, wenn diese Dinge nicht passieren sowie wann und wie Aufgaben zu wiederholen sind und vieles mehr.
Wenn eine Person zum Beispiel ein computergestütztes Formular ausfüllt und dabei das Geburtsdatum vergisst, weist der Algorithmus den Computer dazu an, erst zum nächsten Schritt überzugehen, wenn alle erforderlichen Informationen vorhanden sind. Um es nochmals am Beispiel des Kochrezepts auszudrücken, wäre der Prozess, ein Gericht zu kochen, vermutlich nicht erfolgreich, wenn man das Gericht nicht im Ofen bäckt, obwohl das Rezept dies vorsieht. Im Unterschied zu einem Computer bzw. Algorithmus überwacht das Kochrezept jedoch nicht den Prozess des Kochens.

Computational Thinking – Warum sollte man es in Schulen und Kindergärten integrieren?

„Informatisches Denken stellt eine universell einsetzbare Haltung und Fähigkeit dar, die alle lernen und nutzen sollten, nicht nur Informatiker.“

Quelle: https://www.cs.cmu.edu/afs/cs/usr/wing/www/ct-german.pdf

Bereits heute gelingt es mithilfe von Computational Thinking, in der Transplantationschirurgie den Organaustausch zwischen Spendern und Empfängern zu optimieren und damit Leben zu retten. Es ermöglicht weiterhin die Analyse neuer Wirkstoffdesigns, sodass weniger arzneimittelresistente Krankheiten erzeugt werden. Und trotzdem gibt es noch genügend weitere intellektuell anspruchsvolle und spannende wissenschaftliche Probleme, die verstanden und gelöst werden müssen – nicht zuletzt mithilfe des informatischen Denkens.

Vom Computational Thinking wird angenommen, dass es insbesondere Kindern und Jugendlichen dabei hilft, sich besser auf eine zunehmend digitalisierte Welt vorzubereiten. Außerdem verfeinert es den gesamten Denkprozess so, dass er auch auf Lösungen von Problemen angewendet werden kann, die keinen technischen Hintergrund haben. Ein gutes Verständnis für das computergestützte Denken wird zukünftigen Generationen also helfen, Computer und andere Geräte besser programmieren und verwenden zu können.

Kein Wunder also, dass der Kompetenzbereich in elf europäischen Ländern bereits seit 2016 in den Lehrplänen verankert ist wie zum Beispiel:

„Digitale Grundbildung“ heißt es seit 2018 im österreichischen Lehrplan und umfasst neben anderen Kompetenzen auch den Bereich des Computational Thinkings. Dabei steht vor allem die Arbeit mit Algorithmen sowie die kreative Nutzung von Programmiersprachen im Vordergrund.

Das Vorreiterland, wenn es um digitale Bildung geht, hat die Standards für digitale Kompetenzen im Lehrplan und damit in allen Fächern fest integriert.
Im Sommer 2018 startete das dänische Bildungsministerium einen Schulversuch mit dem Ziel, Schüler*innen nicht nur als Konsumenten-, sondern allen voran als Produzenten digitaler Medien zu befähigen. Computational Thinking wurde dabei sowohl als gesondertes Fach als auch als fächerübergreifender Ansatz erprobt.

Auch in Finnland sind digitale Kompetenzen fächerübergreifend im Lehrplan integriert. Zusätzlich werden spezielle Kurse zum Programmieren wahlweise in Jahrgangsstufe acht oder neun angeboten. Seit 2014 wurden auch Standards zum algorithmischen Denken in Mathematik für die Jahrgangsstufen sieben bis neun aufgenommen. Dazu gehört zum Beispiel das Entdecken von Mustern, Verstehen von Algorithmen oder das Programmieren.

In Deutschland hingegen sind Teilkompetenzen aus dem Bereich des Computational Thinkings lediglich in einigen Bundesländern im Informatikunterricht verankert, jedoch nicht verpflichtend.
Der neue Kompetenzbereich „Algorithmen erkennen und formulieren“ wurde zwar von der Kultusministerkonferenz 2016 in die Strategie „Bildung in der digitalen Welt aufgenommen“, doch an der Umsetzung in den Lehrplänen der einzelnen Länder wird noch gearbeitet.
Forscher empfehlen daher landesübergreifende Rahmenvorgaben und länderspezifische Curricula für den Bereich des Computational Thinkings zu entwickeln.

Computational Thinking – Werden damit kommende Generationen zu Maschinen erzogen?

Wie auch Wing klarstellt sind es nicht die Computer, die es mithilfe des informatischen Denkens zu durchdringen gilt. Vor allem der Mensch und seine geistigen Fähigkeiten stehen im Mittelpunkt dieses Kompetenzbereiches. Letztendlich sind Computer also nur Hilfsgeräte, sozusagen ein verlängerter Arm des Menschen oder ein zusätzliches „Gehirn“. Aber was ihnen fehlt sind Emotionen. Und nicht nur das, denn bei der Produktion eines Rechners spielt die Psychologie allgemein absolut keine Rolle. Das wirft die Frage auf, ob es für den Menschen überhaupt einen Sinn ergibt, sich als fühlendes Wesen die Eigenschaften eines Computers anzueignen. Liegt darin ein Mehrwert für Menschheit? Oder geht damit das spezifisch Menschliche damit nach und nach verloren?

Unserer Meinung nach gibt es bei dieser Thematik durchaus ein Dualismus – ein Mittelweg sozusagen: Computerisiertes Denken ergibt in unserer heutigen Gesellschaft und auch mit Blick auf die Zukunft durchaus Sinn. Es kann auf viele Bereiche angewendet werden und bringt Menschen dazu, ein Problem von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten. Somit können bisher ungeahnte und ungekannte Lösungen angestrebt werden. Dementsprechend ist eine Etablierung des Kompetenzbereichs „Computational Thinking“ in den Lehrplänen Deutschlands durchaus wünschenswert und, mit Blick auf die internationale „Wettbewerbsfähigkeit“, sogar notwendig.

Aber bei der Diskussion rund um die Digitalisierung und damit auch bezogen auf das informatische Denken darf ein entscheidender Punkt nicht vergessen werden: Das (Nach-)Denken über Computer.
Wir Menschen können es anstreben und vermutlich auch erreichen, wie ein Algorithmus zu denken, aber darin sollte nicht das einzige Ziel des Computational Thinkings liegen. Denn mit neuem Wissen geht auch eine neue Verantwortung einher. Die schier endlosen Möglichkeiten des computergestützten Denkens nützen der Menschheit nichts, wenn sie sich nicht entlang ethischer Grundfesten orientieren. Diese gilt es jedoch eindeutig festzusetzen. Um es auf den Punkt zu bringen, besteht die Gefahr darin, dass der technische Fortschritt so schnell von statten geht, dass ethische Grenzen dabei drohen unterzugehen.

Welche technischen Wunder uns in den nächsten Jahren erwarten, lässt sich wohl kaum voraussagen. Aber feststeht, dass der Mensch gegenüber von Rechnern auch in Zukunft einen entscheidenden Vorteil haben wird: Emotionen. Computer werden darüber nie im gleichen Maße verfügen. Das degradiert sie schließlich lediglich zu Werkzeugen und hält die Menschen (hoffentlich) davon ab, zu Maschinen zu werden.

Die Mischung macht’s: Blended Learning

Wie so viele Bereiche unserer Gesellschaft ist auch der Bildungssektor der Digitalisierung unterworfen. Mittendrin befinden sich dabei allen voran die Lehrkräfte, die versuchen müssen, sich anzupassen, mit diesen Veränderungen umzugehen und sie möglichst zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen. Viele wissen jedoch gar nicht, wie und womit sie dabei anfangen sollen: Wie kombiniere ich die technischen Möglichkeiten mit den didaktisch und pädagogisch geeigneten Wegen, die zur jeweiligen Zielgruppe und zum Lernziel passen?
Dies scheint auf den ersten Blick eine echte Herausforderung zu sein, die jedoch mithilfe von Blended Learning durchaus zu bewältigen ist.

Was ist „Blended Learning“? – Definition

„Unter Blended Learning (,blended‘: ,gemixt, zusammengemischt‘) versteht man die Kombination von unterschiedlichen Methoden und Medien, etwa aus Präsenzunterricht und E-Learning.“

Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/blended-learning-53492

Blended Learning steht also für ein didaktisches Konzept, das Online- und Präsenzanteile von Unterricht miteinander kombiniert. Darum wird es auch „integriertes, hybrides Lernen“ genannt und stellt eine Unterform des E-Learnings dar.

Unter Blended Learning fallen

  • die Mischung aus formellem und informellem Lernen sowie
  • die Anreicherung von Printmedien mit 2D-Codes (v.a. QR-Codes).

Ansätze und Modelle

Auch beim Blended Learning gibt es verschiedene Ansätze und Modelle wie zum Beispiel

  • das Rotationsmodell, bei dem Struktur und Ablauf der Online- sowie Präsenzphasen vom Lehrenden vorgegeben werden,
  • das Flexmodell, welches den Lernenden die Möglichkeit bietet, sich Inhalte hauptsächlich in Online-Phasen zu erarbeiten,
  • das eigene Blend, bei dem man zusätzlich zu einem Präsenzangebot einen Online-Kurs belegt sowie
  • das angereicherte Modell, bei dem ein Online-Kurs zum Auftakt oder zum Abschluss um Präsenztermine erweitert wird.

Entscheidende Faktoren dieser Modelle sind einerseits der Anteil und die Gewichtung von Online-Elementen im Kursangebot sowie andererseits die flexible Selbstbestimmung des Lernenden.

Besonders wichtig ist beim Blended Learning jedoch stets die richtige Didaktisierung, die ihm erst seinen eigentlichen Mehrwert verleiht!

Wie funktioniert Blended Learning? – Vorgehen

Blended Learning besteht in einer geeigneten Zusammenstellung von Methoden und Medien, um das Lehrziel einer Bildungsmaßnahme möglichst effizient und effektiv zu erreichen. Beispielsweise bauen einzelne Module bestehend aus verschiedensten Präsenz- und E-Learning-Maßnahmen aufeinander auf und ergänzen sich. So findet häufig zu Beginn eines Kurses eine Präsenzveranstaltung statt, bei der sich die Teilnehmer*innen kennenlernen und auf diese Weise wichtige Voraussetzungen für das gemeinschaftliche Lernen und Arbeiten schaffen.
Auch Web-based-Trainings und virtuelle Klassenzimmer werden im Bereich des Blended Learnings eingesetzt, um die Lernenden auf den Präsenzunterricht vorzubereiten und einen einheitlichen Wissenstand unter ihnen zu erzielen. Diese Stärkung des informellen Lernens ermöglicht einen flexiblen Arbeits- und Lernprozess im Selbststudium und entlastet zudem das formelle Lernen. Es bleibt mehr Zeit für Dialoge und Diskussionen.
Das Arbeiten mit QR-Codes ermöglicht es, physische und virtuelle Materialien und Medien miteinander zu verbinden. Liest man beispielsweise einen Lehrbucheintrag oder einen Artikel, gelangt man mithilfe des 2D-Codes und einem Smartphone o.ä. zu einer online verfügbaren Ressource, einem Glossareintrag oder einem Lehrvideo. 

Wo wird Blended Learning eingesetzt? – Verbreitung

Viele Hochschulen und Unternehmen setzten bereits auf Blended Learning als übliche Lehr- und Lernform. Über verschiedenste Lernplattformen- und Portale werden nicht nur Informationen und Materialien bereitgestellt, sondern sogar komplexe Blended-Learning Kruse organisiert.
Auch Schulen setzen zunehmend auf Blended-Learning. Dabei werden oftmals Open-Source-Lernplattformen und soziale Medien eingesetzt.

Die Vorteile von Blended Learning

  • Aus Sicht der Lernenden bietet Blended Learning den großen Vorteil, ihre Lernaktivitäten flexibel und individuelle gestalten zu können. Darüber hinaus können sie selbstständig und in ihrem eigenen Tempo arbeiten.
    Weiterhin empfinden viele Lernende Blended Learning aktivierender als reine Online-Kurse. Die Kombination von Videos und interaktiven Inhalten mit analogen Interaktionen zwischen Lehrenden und Lernenden bringt mehr Abwechslung.
    Daran anschließend zeigen mehrere Fallstudien positive Effekte auf den Lernerfolg.
  • Für Lehrende bietet Blended Learning die Möglichkeit, neue Interaktionsformen kennenzulernen und gemeinsam mit den Kursteilnehmer*innen auszuprobieren. Dass Blended Learning positive Effekte auf den Lernerfolg haben kann, zeigt sich aus Sicht der Lehrenden beispielsweise daran, dass die Lernenden eine Online-Community bilden, bei Präsenzveranstaltungen besser argumentieren und diskutieren sowie tiefer in die Kursmaterie eintauchen.
    Auch Lehrkräfte erleben die Flexibilität in der zeitlichen Taktung des Blended Learnings als durchaus positiv.
  • Aus Sicht von Schulen und Hochschulen geht mit der Integrierung von Blended Learning eine Positionierung als innovative Bildungseinrichtung sowie, vor allem bezogen auf die Hochschulen, eine Adressierung neuer Zielgruppen einher.

Die Nachteile von Blended Learning

  • Für die Lernenden erfordert die mit dem Blended Learning einhergehende Flexibilität ein höheres Maß an Selbstdisziplin und Zeitmanagement.
    Zudem erscheint vielen der Arbeitsaufwand deutlich höher als im Präsenzstudium und die virtuelle Arbeit in Teams gestaltet sich schwerer als die direkte Diskussion im Klassenraum.
    Auch technische Probleme im Umgang mit den ungewohnten Kommunikations- und Kooperationswerkzeugen können dabei eine Rolle spielen.
  • Auch aus Sicht der Lehrenden stellen Kommunikation und Moderation in der Online-Lernumgebung vor allem zu Beginn oftmals eine Hürde dar, die es zu überwinden gilt.
    Außerdem ist die Erstellung der Online-Module mit großem Aufwand verbunden und nicht zu unterschätzen, weshalb in vielen Fällen eine methodische und technische Unterstützung sowie Beratung benötigt wird.
    Weitere Risiken liegen im Kontrollverlust sowie in der potenziell schlechteren Bewertung durch Studierende.
  • Auf Ebene der Schulen und Hochschulen ist die Einführung von Blended Learning ebenfalls mit großem Aufwand verbunden. Entsprechende Ressourcenverteilungen sowie Investitionen in Infrastruktur und Supporteinheiten werden benötigt. Darüber hinaus ist der Wandel von curricularen Strukturen zeitaufwändig und bedarf organisationsinterner Abstimmungsprozesse. Oftmals gibt es auch Widerstände gegenüber Änderungen und Neuerungen.

Welche Zukunft hat Blended Learning? – Ausblick und Fazit

 Kompetenzen wie Kreativität, Kollaboration und kritisches Denken sind in der heutigen Arbeitswelt dringend gefordert, um die Herausforderungen der Zukunft digital, vernetzt und flexibel zu lösen. Mithilfe von Blended Learning können diese sogenannten „21st century skills“ bestens adressiert werden. Frei nach dem Motto „the best of both worlds“ werden beim Blended Learning online Lernangebote mit der anwendungsorientierten Lehre an Schule oder Hochschule kombiniert, sodass durch E- und Social-Learning die entsprechenden digitalen Kompetenzen für die aktuelle Arbeitswelt optimal gefördert werden.
Die Lehrenden können selbst entscheiden, ob und inwiefern sie von Präsenz- auf digitale Lehre umstellen wollen. Dank unserer digitalen Welt sind der digitalen Lehre in ihrer Anwendung keine Grenzen gesetzt. Von daher können wir nur empfehlen: Probiert Blended Learning doch einfach einmal selbst aus!

Welchen Standpunkt nimmt Deutschland in der digitalen Bildung ein?

Durch die von den Ländern angeordneten, wochenlangen Schulschließungen zum Schutz der Bevölkerung vor Corona kommt digitalen Lernformen mit einem Schlag eine neue, tragende Bedeutung zu.

Einerseits steht die Frage im Raum, ob und wie Corona die digitale Bildung Deutschlands revolutionieren könnte: Wird das Erledigen von Aufgaben zu Hause über Lernplattformen danach einen festen Platz bekommen? Wie sieht der Schulalltag nach der Pandemie in der digitalen Bildungswelt aus?

Andererseits bringt die Corona-Pandemie Schulen an ihre digitalen Grenzen: Viele Schülerinnen und Schüler haben keinen Zugang zu Rechnern, es fehlen digitale Plattformen und obendrauf gibt es Unklarheiten beim Abitur.
Eigentlich sollte digitaler Fernunterricht, auch „E-Learning“ genannt, die Schulen durch die Corona-Krise geleiten. Doch dieser funktioniert bei weitem nicht überall im Land und vor allem nicht überall gleich gut.
Darum sind in diesen schwierigen Zeiten viele Schulen auf das Engagement von Lehrkräften und Eltern angewiesen. Doch sowohl die Lehrenden als auch Schüler*innen und Eltern zu Hause stoßen an ihre technischen Grenzen. Nicht jeder Schüler oder jede Schülerin beispielsweise besitzt zu Hause die Möglichkeit, die Materialien online abzurufen. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt mit Blick auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Schüler*innen:

„Es wird zu massiven sozialen Ungleichheiten kommen. Oder vielmehr: Die immer schon vorhandenen Benachteiligungen werden sich verstärken.“

Angesichts dieser vielen Probleme, Unklarheiten und offenen Fragen erscheint ein Blick auf Deutschlands Standpunkt in der digitalen Bildung vor der Corona-Pandemie als ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Deutschland und die digitale Bildung - Zahlen und Fakten

  • Nicht einmal die Hälfte der Lehrkräfte (42%) verfügt über einen strategischen Rahmen, wie digitale Bildung im Unterricht Einzug finden kann.

  • In 73% der Fälle übernimmt eine Lehrkraft den technischen IT-Support an der Schule.

  • 99% der Schüler*innen wollen mehr digitale Themen im Unterricht.

  • 82% der Unternehmen finden moderne Ausbildung entscheidend für Wettbewerbsfähigkeit.

  • 30% der Achtklässler*innen haben nur rudimentäre digitale Kompetenzen.

  • 45% der Lehrkräfte verzichten auf digitale Medien aufgrund mangelnder IT-Ausstattung.

  • 75% der Schüler*innen würden Informatik als Pflichtfach begrüßen.

Deutschland und die digitale Bildung - Stand November 2019

Die am 5. November 2019 veröffentlichte internationale Vergleichsstudie ICILS 2018 (International Computer and Information Literacy Study) zeigt, wie gut Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und elf weiteren Ländern auf ein Studium, auf die Berufswelt sowie auf ein Leben in der digitalen Welt vorbereitet sind.

Darüber hinaus ermöglicht sie es erstmals, eine Entwicklung der zwölf Teilnehmerländer im Vergleich zur ersten ICIL-Studie 2013 im Bereich der digitalen Bildung nachzuvollziehen.
Bezogen auf Deutschland zeigt die Studie, dass sich die digitalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler kaum erweitert haben, obwohl Lehrkräfte deutlich häufiger digitale Medien im Unterricht einsetzen als noch vor fünf Jahren. Kein Wunder also, dass Deutschland sich im Vergleich zu anderen Ländern nach wie vor im Mittelfeld befindet.
Hingegen konnte Dänemark beispielsweise seinen Vorsprung von 2013 weiter ausbauen und gehört damit nun zu den Spitzenreitern der ICIL-Studie 2018.

Über folgende drei Bereiche gibt die Studie Aufschluss: 

Die gute Nachricht dabei ist, dass fast ein Viertel der Lehrenden in Deutschland digitale Medien täglich im Unterricht nutzt. 2013 waren es dahingegen nur knapp 10 Prozent. Doch die Lehrkräfte nutzen demnach nicht nur häufiger digitale Medien im Unterricht. Auch in den Lehrplänen spielen die digitalen Kompetenzen zunehmend eine größere Rolle. 

Dennoch bleibt Deutschland im internationalen Vergleich mit diesem Ergebnis weit hinter anderen zurück. Im Vorreiterland Dänemark beispielsweise setzen über 70 Prozent der Lehrenden tagtäglich digitale Medien im Unterricht ein.
Auch die Potenziale der digitalen Medien für das Lernen werden in Deutschland viel geringer eingeschätzt als in anderen Ländern. Laut der Leiterin der Studie in Deutschland, Birgit Eickelmann, muss in den einzelnen Fächern deutlicher herausgearbeitet werden, wie digitale Medien konkret das fachliche Lernen unterstützen können:

„Hier sehe ich eine der großen Zukunftsaufgaben. Der eigentliche Mehrwert wird von vielen Lehrkräften offenbar noch nicht gesehen und vielleicht auch daher noch nicht genutzt.“.

Darüber hinaus werden internetbasierte Zusammenarbeit der Lernenden sowie die Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen von Lehrkräften wenig genutzt, sodass Deutschland in diesen Bereichen im internationalen Vergleich weit abgeschlagen ist.

Dabei geht es beispielsweise darum, wie Informationen gefiltert, verifiziert und kommuniziert werden und ob die Jugendlichen in der Lage sind, ein sicheres Passwort zu erstellen oder den Rechner vor Viren zu schützen.

33,4 Prozent der getesteten Achtklässler*innen erreichen dabei nur die beiden unteren von fünf Kompetenzstufen und verfügen demnach lediglich über rudimentäre Fähigkeiten im Umgang mit neuen Technologien und digitalen Informationen. Dabei hat sich im Vergleich zur Vorgängerstudie aus dem Jahre 2013 kaum etwas verändert.
Auch die großen Unterschiede entsprechend der sozialen Herkunft sind weitestgehend unverändert geblieben. Demnach schneiden Schüler*innen aus weniger privilegierten Elternhäusern deutlich schlechter ab. Diesen Jugendlichen würden damit Berufs- und Lebenschancen in der digitalen Welt vorenthalten bleiben, so Eickelmann.
Unverändert ist auch die Disparität zwischen Mädchen, die in allen Bereichen der computer- und informationsbezogenen Kompetenzen bessere Ergebnisse erzielen, und Jungen.

Beim Computational Thinking wurde unter anderem untersucht, inwieweit Schüler*innen verstehen, wie Algorithmen funktionieren und inwieweit sie mit ihnen arbeiten können.

In den Lehrplänen der untersuchten Länder sind diese Kompetenzen erst seit relativ kurzer Zeit sowie in unterschiedlichen Maßen enthalten. In Deutschland ist dies gar nicht der Fall. Aus diesem Grund liegen die Schülerinnen und Schüler Deutschlands etwas unter dem internationalen Durchschnitt.

Deutschland und die digitale Bildung - Stand September 2017

Bereits im September 2017 zeigten die Ergebnisse des Monitors Digitale Bildung der Bertelsmann Stiftung, dass es trotz der grundsätzlichen Offenheit auf Seiten der Lernenden, Lehrenden sowie der Schulleitung auf dem Weg zur pädagogisch sinnvoll digitalisierten Schule noch einige Hindernisse zu überwinden gilt:

Darunter zählt allen voran, dass Digitalisierung von Lehrkräften und Schulleitern als neue Herausforderung angesehen wird, die es zu meistern gilt. Nicht einmal jeder vierte Lehrende glaubt, dass digitale Medien dabei helfen können, den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler zu verbessern. Entsprechend erkennen und nutzen nur wenige von ihnen das volle didaktisch-methodische Potenzial von Digitalisierung im Unterricht. Die Mehrheit der Lehrkräfte sowie der Schulleitung sehen stattdessen die Chancen des digitalen Wandels in der besseren Bewältigung administrativer Aufgaben.

Weiterhin haben die meisten Schulen weder ein Konzept für den Einsatz digitaler Lernmittel entwickelt noch reflektieren sie den digitalen Wandel als Bestandteil ihrer Schul- und Unterrichtsentwicklung. Zumeist entscheiden die Lehrkräfte selbst, ob und welche digitalen Medien sie im Unterricht einsetzen. Damit fungieren sie als Initiatoren des digitalen Wandels in Schulen, was zur Folge hat, dass das große Potenzial der der Digitalisierung als Treiber strategischer Schulentwicklung ungenutzt bleibt.

Fast 50 Prozent aller befragten Lehrkräfte sind mit der technischen Ausstattung an ihren Schulen nicht zufrieden. Auch fehlender IT-Support und mangelhafte Weiterbildung sowie schlechtes WLAN stellen laut Aussagen von Lehrkräften und Schulleitung Hürden auf dem Weg der Digitalisierung von Schulen dar.

Das beliebteste Medium zum Lernen sowie zum Lehren sind Videos. 76 Prozent aller befragten Schüler*innen nutzen Videos zum Lernen in der Freizeit. Auch 72 Prozent der Lehrkräfte verwendet dieses digitale Medium im Unterricht. Trotzdem wünscht sich die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler, im Unterricht öfter mit Videos zu arbeiten, da sie dies zum Lernen motiviert.

Laut dem Monitor Digitale Bildung nutzen Lehrkräfte digitales Lernmaterial vor allem dann, wenn es für sie kostenlos, geprüft und geordnet verfügbar ist. Knapp die Hälfte der Lehrenden bemängelt den großen Zeitaufwand, der mit der Suche nach gutem und geeignetem Material verbunden ist. Selbst erstelltes Lernmaterial wird meist nur in analoger Form und mit ausgewählten Kolleginnen und Kollegen geteilt.

Deutschland und die digitale Bildung - Fazit

Wie die aufgeführten und viele weitere Studien zeigen, schneidet Deutschland im internationalen Vergleich in Sachen digitaler Bildung mittelmäßig bis schlecht ab.

Für uns, die Deutschdidaktik der MLU, gibt es zwei wesentliche Punkt, die verändert werden müssten, damit Deutschland seinen Standpunkt in der digitalen Bildung verbessert: Einerseits wird eine entsprechende technische Ausstattung der Schulen benötigt. Nur wenn diese Grundlage über das ganze Land hinweg gleichermaßen geschaffen wurde, kann es gelingen, darauf aufzubauen und die digitale Bildung in Schulen weiter voranzubringen. 
Andererseits braucht es Weiter- und Fortbildungen für Lehrkräfte und Schulleitungen, 
um nicht nur technische Kenntnisse auszuweiten, sondern vor allem, um eine veränderte Sichtweise auf digitale Bildung zu bewirken. 

Wir empfinden es darüber hinaus als besonders wichtig, bei all diesen Maßnahmen stets im Blick zu behalten, dass der Einsatz von digitaler Bildung nur dann erfolgen sollte, wenn er einen pädagogischen Sinn erfüllt und nicht bloß um seiner selbst willen. Nicht zuletzt besteht die Bildungsaufgabe der Schulen auch darin, den Kindern einen kritischen Umgang mit digitalen Medien aufzuzeigen

 

Aktuelle Informationen zur Lehre im Sommersemester 2020

Uns alle beschäftigt derzeit die Corona-Krise und deren Auswirkungen auf unseren Alltag. Auch das Studium an der MLU ist von den Einschränkungen nicht verschont geblieben. Damit ihr einen Überblick behaltet, welche Lehrveranstaltungen im Sommersemester auf welche Weise stattfinden können, stellen wir euch in diesem Beitrag eine kurze Übersicht vor.

Welche Lehrveranstaltungen finden statt?

Die Kolleg*innen der Deutschdidaktik sind bemüht, dass Sommersemester auch unter diesen erschwerten Bedingungen mit vielfältigen Angeboten auszugestalten. Die Lehrveranstaltungen werden zunächst als virtuelle Seminare konzipiert, sodass auch im Falle eines digitalen Semesters eine Teilnahme an den jeweiligen Veranstaltungen ermöglicht werden kann. Durch die Einschränkungen die eine virtuelle Lehre mit sich bringt, finden auch in den verschiedenen Lehrveranstaltungen inhaltliche und konzeptionelle Anpassungen statt. Für die Dozent*innen der Deutschdidaktik ist ein wesentliches Anliegen, möglichst problemlos und ohne technische Hürden die Teilnahme am Seminar sicherzustellen.

Prof. Dr. Matthias Ballod

  • Zukünftige Lehr-Lernmittel: Einblicke in digitale Schulbücher, Apps und interaktive Arbeitsblätter (di 12-14)
  • Zukünftige Lehr-Lernmittel: Einblicke in digitale Schulbücher, Apps und interaktive Arbeitsblätter 
    → zusätzliches Seminarangebot
  • Berlin 1920 / 2020. Eine Metropole in modernen Medien erzählen (di 14-16)
    →Exkursion entfällt

Dr. Gunhild Berg

  • Berlin 1920 / 2020. Eine Metropole in modernen Medien erzählen (di 14-16)
    → Exkursion entfällt
  • Zu einer Didaktik des Videospiels: Digitale Spiele als Lernanlass und -träger, Motivation und Gegenstand im Deutschunterricht (do 10-12)
  • Interkulturelle deutschsprachige Literatur im Unterricht: Was heißt ‚auf Deutsch‘ schreiben? (do 14-16)
  • Vernetzt erzählen im Deutschunterricht. Literatur über, in und mithilfe von sozialen Netzwerken vermitteln (fr 12-14)

Dr. Michael Reichelt

  • Deutsch unterrichten – Seminargruppe Mittwoch (di. 10-12 Uhr)
  • Deutsch unterrichten – Seminargruppe Mittwoch (mi. 8-10 Uhr)
  • Schulpraktische Übungen: Einführendes Blockseminar

Außerdem wird das Seminar „Zukünftige Lehr-Lernmittel: Einblicke in digitale Schulbücher, Apps und interaktive Arbeitsblätter“ nun doppelzügig angeboten. Mit Blick auf die aktuelle Situation sind die Inhalte dieses Seminars nun auch nicht mehr nur ein Blick in die Zukunft, sondern hochaktuell. In Stud.IP ist bereits eine zweite Veranstaltung angelegt, in die sich eingetragen werden kann.

Welche Lehrveranstaltungen entfallen?

Nicht alle Veranstaltungen eignen sich mit Blick auf ihre Lernziele und Umsetzung für ein digitales Semester. Insbesondere die Projektseminare, deren Kern der intensive Einblick in die Unterrichtspraxis ist, sind hiervon betroffen. Aber auch Seminare, die von einer intensiven Diskussion oder Gruppenarbeiten im Rahmen der Seminarzeit leben, können nicht ohne drastische Einschränkungen, die der didaktischen Zielsetzung der Veranstaltung entgegenstehen, angeboten werden. Hiervon betroffen sind folgende Veranstaltungen, die daher nicht stattfinden:

Prof. Dr. Matthias Ballod

  • Projektlernen! Konzepte zur Medienbildung im Fach Deutsch (mo 14-16)
  • Soziale Medien und politische Bildung: Ein fächerverbindendes Unterrichtsprojekt in Kooperation mit dem Lyonel-Feininger-Gymnasium (mo 12-14)

Dr. Michael Reichelt

  • Leistungsmessung und -bewertung im Deutschunterricht (mi. 10-12 Uhr)
  • Sprachunterricht in Zeiten der Bildungsstandards (di. 8-10 Uhr)

Was muss ich tun, wenn ein von mir gewähltes Seminar ausfällt?

Wer sich aktuell in einem Seminar befindet, dass im Sommersemester nicht angeboten werden kann, trägt sich in eine andere Lehrveranstaltung ein. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde ein zusätzliches Angebot für das Seminar „Zukünftige Lehr-Lernmittel“ (di 16-18) geschaffen. In allen weiteren Seminaren sind Stand 03. April noch freie Plätze.

Auf dem aktuellen Stand bleiben

Genauere Informationen, wie in den einzelnen Lehrveranstaltungen gearbeitet werden wird, erhaltet ihr von den jeweiligen Seminarleitungen. Prüft daher unbedingt regelmäßig euer Postfach in Stud.IP oder richtet euch eine Weiterleitung zu einer Mailadresse ein, die ihr häufig abruft.

Die Informationsseite der MLU wird außerdem regelmäßig aktualisiert: www.unihalle. de/coronavirus/faqstudierende/

Dort werden Fragen zu Prüfungen, dem Lehrbetrieb oder dem Zugang zu universitären Einrichtungen beantwortet.

Außerdem informiert die MLU auf ihren Social-Media-Kanälen regelmäßig über neue Entwicklungen, sodass ihr auch dort schnell informiert werdet: facebook.com/unihalle
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