Urheberrechte – Creative Commons

Wir leben in einer Zeit, in der Daten schneller als je zuvor transferiert werden können. Bilder, Videos und Texte werden in Sekundenschnelle vom einen Ende der Welt an das andere gesendet. Doch nicht selten werden dabei auch Urheberrechtsverletzungen begangen und das kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. 
Aus diesem Grund ist es sinnvoll, als Privatperson, aber vor allem als (zukünftige) Lehrkraft, über die geltende Urheberrechte bzw. deren Referenzierung informiert zu sein.

Creative Commons (abgekürzt CC; englisch für schöpferisches Gemeingut) ist eine gemeinnützige Organisation, die sechs Lizenzmodelle ausgearbeitet hat, welche es auf einfache, standardisierte Art und Weise ermöglichen, die Erlaubnis zur Nutzung und Verbreitung (ggf. Weiterverarbeitung) eines urheberrechtlich geschützten Werkes zu erteilen.

Quelle: Creative Commons von Melanie Grießer, Ulrike Grabe, Jennifer Richter, Jennifer Olearczyk/@LLZ (CC BY SA 4.0)

Quelle: Creative Commons Cheat Sheat von Melanie Grießer/@LLZ (CC BY 4.0)

Funktion

Die Kennzeichnung mit CC-Lizenzen bietet einerseits Internetnutzern mehr Sicherheit bei der Verwundung bzw. Veröffentlichung digitaler Inhalte. Andererseits können Urheber die Lizenzverträge von Creative Commons verwenden, um die Nutzungsrechte ihrer Werke klarzustellen.

Lizenzmodelle der Creative Commons

Quelle: Creative Commons von Melanie Grießer, Ulrike Grabe, Jennifer Richter, Jennifer Olearczyk/@LLZ (CC BY SA 4.0)

Werke unter den Lizenzen BY (Namensnennung), BY SA (Weitergabe unter gleichen Bedingungen) BY NC (nicht kommerziell) und BY NC SA bearbeitet und mit anderen Werken kombiniert werden. Ist ein Werk mit dem Zusatz „SA“ gekennzeichnet, müssen alle daraus entstandenen Werke mit der gleichen Lizenz gekennzeichnet werden. 

Beispiele für die Kennzeichnung mit CC

Bild mit CC BY 2.0

Quelle: Wildpferde Tripsdrill von Robin Müller (CC BY SA 2.0)

Kennzeichnung:

  • Titel mit hinterlegten Link zur Quelle des Bildes 
  • Name des Urhebers
  • Lizenz mit hinterlegten Link zum Inhalt der Lizenz (von Creative Commons)

CC BY SA 2.0 

  • Weiterverwendung, Bearbeitung unter gleichen Bedingungen
  • Namensnennung 

Bild von Wikipedia

Quelle: Apollo Theater Harlem NYC 2010 von Hans Joachim Dudeck (CC BY NC ND 3.0)

Kennzeichnung:

  • Titel mit hinterlegten Link zur Quelle des Bildes 
  • Name des Urhebers
  • Lizenz mit hinterlegten Link zum Inhalt der Lizenz (von Creative Commons)
  • Änderung nicht genannt, da keine vorgenommen wurden (ansonsten nötig)

CC BY NC ND 3.0

  •  Namensnennung
  •  Vorgenommene Änderungen (bei Bedarf)
  •  Nicht für kommerzielle Zwecke
  •  Keine Bearbeitung

Aus „Description“ wurde der Titel des Werkes entnommen

Unter „Licensing“ findet man Informationen zur richtigen Referenzierung wie den Namen des Urhebers, die Art der Lizenz und einen Link zur Lizenzbeschreibung von Creative Commons.

Mögliche Änderungen, die an dem Werk vorgenommen wurden, würde man unter „File history“ finden. Bei diesem Bild ist das jedoch nicht der Fall. 

Anlaufstellen für lizenzfreie Bilder

Mit gut 39 Millionen Bilddateien gehört Wikimedia Commons zu den wichtigsten Anlaufstellen für freie Bilder. Die Qualität ist bei der Vielzahl an Inhalten durchmischt, aber wer sucht, wird meistens fündig. Durch Kooperationen mit weiteren Einrichtungen sind einige besonders interessante Sammlungen bei Wikimedia Commons verfügbar – zum Beispiel aus dem Bundesarchiv, der Deutschen Fotothek oder dem Fundus der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Die bei Wikimedia Commons hochgeladenen Inhalte stehen zum Großteil unter Creative-Commons-Lizenzen oder sind gemeinfrei. Die Beschreibungsseite der jeweiligen Datei zeigt das im Detail. Beim Weiterverwenden der Inhalte hilft die Seite lizenzhinweisgenerator.de:Wird der Link zu einer Wikipedia- oder Bildseite dort eingefügt, zeigt das Werkzeug die nötigen Angaben an.

Bei Flickr erlaubt es die erweiterte Suche, die Ergebnisse auf frei verwendbare Bilder einzugrenzen. Etwa zwei Drittel der auf Flickr unter Creative-Commons-Lizenzen veröffentlichten Bilder sind mit dem Baustein „keine kommerzielle Nutzung“ (Non-commercial, NC) versehen. Was darunter zu verstehen ist, ist nicht immer eindeutig. Es empfiehlt sich, Inhalte mit dieser Bedingung nur dann zu verwenden, wenn es sich ohne Zweifel um nicht-kommerzielle Nutzungen handelt.

Flickr hat auch eine eigene „Commons“-Rubrik mit Suchfunktion. Dort sind Fotos und andere digitalisierte Inhalte versammelt, an denen keine Urheberrechte mehr bestehen. Sie stammen von Archiven, Museen und weiteren Organisationen, die am Programm teilnehmen – etwa der British Library, der Library of Congress oder der NASA.

Über den Katalog für Drucke und Fotografien der Library of Congress sind viele Werke und Sammlungen der Bibliothek auch digitalisiert verfügbar. Ein großer Teil davon, aber nicht alle Inhalte sind gemeinfrei, teilweise ist die Rechtelage auch nicht ganz eindeutig – ein Blick auf die Detailbeschreibungen und die Informationen der Library of Congress gibt Hinweise.

Auf Pixabay finden sich derzeit gut 1,2 Millionen Bilder. Die Plattform aus Ulm versteht sich als kostenlose, aber hochwertige Alternative zu Stockfoto-Anbietern, deren typischer Ästhetik viele der dort veröffentlichten Bilder folgen. Die einzelnen Bilder lassen sich durch die CC0-Freigabe ohne weitere Bedingungen verwenden; zusätzlich blendet der Bezahldienst Shutterstock eigene Fotos als Werbung ein. Weitere Informationen finden sich in den Nutzungsbedingungen.

Ähnlich wie Flickr versteht sich 500px aus Kanada als Foto-Community und bietet Fotografen unter anderem Verkaufsfunktionen für ihre Bilder. Die Suchergebnisse lassen sich auf unterschiedliche Creative-Commons-Lizenzen oder die CC0-Freigabe einschränken. Gut 850.000 Bilder sind entsprechend freigegeben. Das sind zwar deutlich weniger als bei Flickr, allerdings sind sie oftmals gut ausgewählt.

Das New Yorker Metropolitan Museum gilt als größtes Kunstmuseum der USA, einen Teil seiner Sammlung hat das Met digitalisiert und online verfügbar gemacht. Anfang 2017 hat das Museum ein Open-Access-Programm gestartet und vormals geltende Beschränkungen bei der weiteren Verwendung weitgehend abgeschafft. Derzeit sind gut 210.000 von knapp 450.000 Einträgen im Onlinekatalog mit der CC0-Freigabe gekennzeichnet.

Im Unterschied zu komplexen Werkzeugen wie der Suche des Internet Archive verspricht die Google-Bildersuche zwar mehr Komfort und lässt sich als Workaround einsetzen. Mit der allgemeinen Websuche kann die Bildersuche aber nicht mithalten: Viele freie Inhalte im Netz scheinen die Googlebots bislang übersehen zu haben. Die Auswahl zu den Nutzungsrechten führt auf diejenigen Bilder, die zur Verwendung freigeben sind und entspricht den verschiedenen Lizenzbausteinen von Creative Commons.

Auch „CC Search“ von Creative Commons oder der Dienst Visualhunt arbeiten an einer plattformübergreifenden Suche für freie Bilder. Da es sich um frühe, teils fehlerbehaftete Versionen handelt, sind sie jedoch nur eingeschränkt zu empfehlen.

Pexels 

Unsplash

Quelle für den Blogbeitrag: Creative Commons von Melanie Grießer, Ulrike Grabe, Jennifer Richter, Jennifer Olearczyk/@LLZ (CC BY SA 4.0)

Ankündigung: Aktionstag zum Thema „Funktionaler Analphabetismus“

Funktionaler Analphabetismus in Deutschland – Ein Thema für den Schulunterricht?

Ein Aktionstag für (zukünftige) Deutschlehrerinnen und –lehrer

 Liebe Studierende,

hiermit laden wir Euch ganz herzlich am 23.01.2020 zum Aktionstag rund um das Thema „Funktionaler Analphabetismus“ ein.

Dabei habt Ihr die Möglichkeit, den ganzen Tag über Vorträgen zum Thema zu lauschen, an Workshops mit Personen teilzunehmen, die als Erwachsene Lesen und Schreiben gelernt haben sowie Unterrichtsmaterialen zum Gegenstand unter die Lupe zu nehmen. Abgerundet wird der Aktionstag mit einem Filmabend im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Deutschdidaktik im Dialog“.

Ablaufplan des Aktionstages

10.15 – 11.45 Uhr:    Vortrag mit Gesprächsrunde

14.15 – 15.15 Uhr:    1. Zeitschiene Workshop
16.15 – 17.15 Uhr:    2. Zeitschiene Workshop

               18.30 Uhr:    Filmabend mit anschließender Diskussionsrunde


P.S.: Wo die einzelnen Veranstaltungen stattfinden, wird noch bekannt gegeben!

Weitere Informationen

Zum Aktionstag

Zum ALFA-Mobil

Zum Film "UNBELEHRBAR"

Spielfilm, 96 Minuten
Regie: Anke Hentschel

Ellen beschließt im Alter von 40 Jahren, endlich lesen und schreiben zu lernen. Da in der Volkshochschule ihres Heimatortes kein Kurs dazu angeboten wird, zieht sie gegen den Willen ihrer Familie ins nahe Berlin. Dort ist sie das erste Mal völlig auf sich alleine gestellt. Doch Ellen steckt voller Optimismus und hat den Mut zur Konsequenz.

Theater in Schule und Hochschule – Ein Streifzug durch die Bühnen von Kultur und Ausbildung

Was? 
Abendveranstaltung im Rahmen der Veranstaltungsreihe ‚Deutschdidaktik im Dialog‘

Wann? 
Mittwoch, der 04.12.2019, ab 18.30 Uhr 

Wo? 
Studiobühne der Musikpädagogik, Dachritzstraße 6, Haus 2, 4. Etage

Liebe Studierende,

auch im Wintersemester 2019/2020 wird die Veranstaltungsreihe ‚Deutschdidaktik im Dialog‘ fortgesetzt. Mit den eingeladenen Gästen, Matthias Schwitzer (Lehrer am Elisabethgymnasium), Sylvia Werner (Theaterpädagogin am nT) und Ronny Jakubaschk (Regisseur und Schauspielleiter am nT) soll in einem anregenden Gespräch ein Streifzug durch die Räume gemacht werden, in denen Lehrer*innen, Dozent*innen und Theaterschaffende jeweils ihre Bühne nutzen, um ihre Adressaten im besten Sinne bilden zu können – kulturell, pädagogisch und wissenschaftlich.

Insofern soll der Konnex der Bühne im Gespräch die Verbindungen zwischen Schauspiel und pädagogischen bzw. didaktischen Überlegungen und Wissenschaft bilden, um so den Nutzen und die produktiven Verknüpfungen von Schauspiel, Pädagogik und Wissensvermittlung für das Lehren und Lernen in Schule und Hochschule den Studierenden und Gästen näherbringen.

Dabei geht es auch darum zu zeigen, welche Aktivitäten im Lehramts- respektive Germanistikstudium bereits möglich sind und welche Intensivierungen nötig oder wünschenswert wären.

P.S.: Der informell-gesellige Austausch zum Thema des Abends und darüber hinaus bilden das Kernelement der Veranstaltungsreihe. Für Getränke ist gesorgt, jeder möge jedoch gerne eine kulinarische Kleinigkeiten mitbringen.

 

Rückblick: DGI-Forum Wittenberg 2019

Wie kann Künstliche Intelligenz den Bildungssektor verbessern? Kann sie das überhaupt? Welche Möglichkeiten, aber auch Gefahren und Risiken birgt der Einsatz von KI?

Mit diesen und vielen weiteren Fragen rund um das Thema „Künstliche Intelligenz in der Bildung“ haben sich die Teilnehmer*innen des diesjährigen DGI-Forums ausführlich beschäftigt. Vom 16. bis 18. September fanden sich Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen und Interessierte in der Stiftung Leucorea in Wittenberg ein, um sich mit diesem Themenbereich kritisch auseinanderzusetzen.

Fachvorträge, Präsentation und Workshops standen auf dem Programm der Veranstaltung. Dabei wurde das Thema von unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet. So ging es beispielsweise um das Verhältnis von Mensch und Maschine, die Bewertung von KI-Algorithmen oder aber auch um die Auswertung einer Online-Umfrage zum Thema „KI und Bildung“.

Dabei ist es kein Zufall, dass die Dialogveranstaltung vor allem auf KI und deren Bedeutung in und für den Bildungsbereich ausgerichtet war. „Künstliche Intelligenz“ ist schließlich das Thema des Wissenschaftsjahres 2019. Obwohl im Bildungswesen bisher ganz andere Punkte und Probleme weit oben auf der Agenda standen, ist genau jetzt der optimale Zeitpunkt, sich konstruktiv-kritisch mit KI innerhalb der Fachgrenzen und darüber hinaus zu beschäftigen. Denn eins steht fest:

Künstliche Intelligenz wird in Zukunft das Lehren und Lernen verändern.

Urheber: Prof. Dr. Matthias Ballod 

Dass Künstliche Intelligenz bezogen auf die Bildung momentan noch in den Kinderschuhen steckt, wird deutlich, wenn man die Ausschreibungen des Bundesministeriums im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2019 genauer durchleuchtet. Denn obwohl KI im Rahmen dessen von unterschiedlichsten Warten aus betrachtet werden soll, spielt das Thema „Bildung“ in diesem Zusammenhang eine sehr geringe Rolle.

KI ist zwar gesellschaftlich akzeptiert, aber noch lange nicht im Bildungswesen angekommen.

Neben der gesellschaftlichen Akzeptanz ist jedoch noch eine weitere, entscheidende Komponente von Nöten, damit der Weg für KI in die Schulen geebnet werden kann:

Die Technologien von KI nehmen Entscheidungen ab, sie automatisieren Entscheidung.

Dadurch bekommt die Auseinandersetzung mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“ eine ganz neue Qualität. Eine Art Ethikkommission ist nötig, um die fortschreitende Entwicklung dieser Technologien und damit auch ihre Integration in den Bildungssektor gewährleisten zu können. 

Eine Schule, Schüler*innen und Hausaufgaben wird es weiterhin geben, doch die Entwicklung schreitet unaufhaltsam voran. Künstliche Intelligenz wird ein zunehmend wichtiges Thema für den Bereich der Bildung werden. Aus diesem Grund ist der Zeitpunkt für eine Diskussion rund um KI ideal.

Ein solch früher Diskurs ermöglicht eine Mitgestaltung der Entwicklung,

auch wenn viele Schulen momentan noch mit Problemen wie der Installation von WLAN zu kämpfen haben.

Im Zusammenhang mit diesem Diskurs werden wissende, gebildete, aber vor allem aufgeklärte Schülerinnen und Schüler benötigt. Es ist an der Zeit, ein neues Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Maschinen nur so klug sind wie der Mensch, der vor ihnen sitzt und ihnen eine Frage stellt.

Es ist die Aufgabe eines jeden Einzelnen, sich zu den Technologien zu verhalten und eine Meinung, einen Standpunkt auszubilden.

In Zeiten, in denen Alexa als Familienmitglied fungiert, wird es zunehmend schwieriger, den Menschen den Unterschied zwischen Technologie und Person bewusst zu machen. Deshalb muss sowohl ein Dialog zwischen Maschinen und Menschen, die sie nutzen als auch zwischen Lehrkräften, Kindern, Eltern, der Öffentlichkeit und allen weiteren Akteuren geführt werden.

Es muss ein Austausch darüber stattfinden, was wir bezüglich KI wollen und was nicht.

Was kann KI und was nicht? Was darf KI und was nicht?

Ermächtigung und Entmündigung durch KI in der Bildung

Urheber: Prof. Dr. Matthias Ballod

Die Diskussion um Künstliche Intelligenz wird oftmals mit einem Dualismus zwischen Ermächtigung und Entmündigung gleichgesetzt. Doch zu der vielschichtigen Problematik rund um KI einfach nur „Ja“ oder „Nein“, „Schwarz“ oder „Weiß“ zu sagen, greift zu kurz. Der Dualismus führt zwar zu einer Kontroverse um KI, die auch dringend benötigt wird, doch findet diese nur zwischen zugespitzten Positionen statt. Es muss jedoch eine Balance angestrebt werden. Der Dialog sollte da ansetzen, wo man das eine mit dem anderen verbinden kann:

Wann ist der Einsatz von KI für Eltern, Lehrkräfte und Schüler*innen sinnvoll?

Bekannte Roboter

Urheber: Prof. Dr. Matthias Ballod, Stefanie Klein 

Vorspann

Am 18. und 19. November des letzten Jahres fanden in Frankfurt die DGI-Praxistage statt. Nicht zuletzt ging es dabei auch um das Thema „Künstliche Intelligenz“. Im Rahmen der öffentlichen Sitzung der Fachgruppe „Bildung und Informationskompetenz“ kristallisierte sich eine Frage ganz deutlich heraus:

Was kann Künstliche Intelligenz für die Bildung leisten?

Damit einher gehen die Erwartungen und Wünsche, aber auch Hoffnungen und Ängste bezogen auf KI.

Im Anschluss dieser Tage wurden die Ergebnisse in Form eines Positionspapiers zusammengefasst. Dieses besteht aus neun Thesen, die eine grobe Handlungsempfehlung– bzw. einen Handlungsrahmen an die Hand geben sollen:

Positionspapier der DGI-Fachgruppe Bildung und Informationskompetenz:
Im Spannungsfeld von Künstlicher Intelligenz und Bildung

KI im Bildungswesen ist per se weder gut noch schlecht. Die fortschreitende Digitalisierung erzwingt jedoch eine Bewertung der Möglichkeiten und Grenzen von KI-Technologien im und für den Bildungsbereich – und dies immer wieder aufs Neue.

„Automation der Entscheidung“ als grundlegende Funktionalität der KI-Technologien führt zu einem herausforderndem Verlust von persönlicher Autonomie, der eine kritische Neubewertung der Mensch-Maschine-Interaktion vor dem Hintergrund einer demokratischen Gesellschaft erfordert.

Die Bewertung der Rolle von KI in Bildungsprozessen und -institutionen muss dabei die dynamischen Veränderungen durch die Digitalisierung in den Blick nehmen und zugleich Zukünftiges antizipieren. Dies bedeutet vor allem, KI-Algorithmen nicht nur anhand technischer Leistungsfähigkeit zu bewerten, sondern gesellschaftliche Auswirkungen ihrer Anwendung einzubeziehen. Daher müssen ethische Aspekte und Datenschutz ebenso wie relevante Erkenntnisse aus der Maschine-Mensch-Interaktion in die Bildungsdebatte einfließen.

KI im Bildungsbereich erfordert kontinuierliches gemeinsames „Gestalten statt Verwalten“! Künstliche Intelligenz ersetzt nicht die menschliche Intelligenz, sondern bedarf deren kontinuierlichen Kontrolle.

Der sinnhafte pädagogische Einsatz sowie der Umgang, auch das Wahrnehmen von KI-Technologien erfordert spezifische Fähigkeiten (cognitive literacy), die im Sinne einer Ausweitung des Konzepts der Informationskompetenz (information literacy) bereits in der Schule eingeübt werden müssen.

Die bisherige Geschichte der Lehrmedien warnt davor, die Technologie als Ausgangspunkt der Entwicklung zu setzen, diese Rolle müssen vielmehr Ziele und Aufgaben von Bildung einnehmen. Zentral ist daher die Forderung, dass die pädagogischen oder unterrichtlichen Ziele den möglichen und sinnvollen Einsatz von KI definieren und nicht umgekehrt.

Der Einsatz von KI-Anwendungen im Feld des Lernens umfasst viele Bereiche: Learning Analytics, Open Educational Resources, Gamification, adaptive und automatisierte Lern- und Testverfahren. Im Bereich von Individualisierung und Differenzierung von Lernprozessen liegen große Potenziale für KI-Anwendungen, wobei die sozial-affektiven Aspekte gemeinsamen Lernens nicht vernachlässigt werden dürfen.

Für den Einsatz von KI in der Bildung ist ein gesamtgesellschaftliches Konzept zu entwickeln, das in konkreten Bildungskontexten erprobt und optimiert werden kann. Dazu bedarf es eines breiten öffentlichen Diskurses, an dem alle Akteure zu beteiligen sind. Bildungspolitik und Bildungsadministration sind aufgefordert, diesen Prozess dezentral zu organisieren.

Aus Sicht der Informationswissenschaft und Informationspraxis gilt also:
Keine Künstliche Intelligenz ohne Informationskompetenz!

Online-Umfrage

Auch die Umfrage stand unter dem Titel „Künstliche Intelligenz – Was kann Bildung leisten?“. Insgesamt beantworteten von April bis August diesen Jahres 320 Teilnehmer*innen 10 Fragen zu dem besagten Thema. Damit ist die Stichprobe zwar nicht repräsentativ, sie gibt aber dennoch ein differenziertes Stimmungsbild der Befragten wieder.

Ergebnisse

  • Großer Nutzen für Individualisierung des Lernprozesses
  • Datenanalyse ist dabei nützlich und hilfreich
  • Lernen wird noch stärker zeit- u. ortsunabhängig
  • Weitere Differenzierung des Bildungswesens
  • Unterstützung der Lehrkräfte durch KI-Technologien
  • Niedriges Gefahrenpotenzial

„Software ist aber kein Ersatz für Kompetenz, Leidenschaft, Fleiß und Interesse bei Lehrern und Schülern.“

„ Bildung ist kein Algorithmus ; Bildung ist: Widerstände,
ungeplante Prozesse, Umwelt und sich selbst entdecken“

  • Datenschutz, Datenmissbrauch, Überwachung
  • Zweckentfremdung der Technologie
  • Reduktion von sozialer Interaktion
  • Verlust von Persönlichkeit / Denken / Nachdenken beim Lernen

„Es ist ein fatales Missverständnis, dass KI qualitativ hochwertige/n
Lehrkräfte/Unterricht ersetzt.“

„KI untergräbt meines Erachtens die Kreativität der Schüler*innen.
Das tun Lehrende auch – meistens -, aber das kann man als Schüler*in umgehen – kreativ.“

  • Potenziale zur Unterstützung des Lernprozesses und der Lehrperson
  • Entlastung der Lehrkraft bei Korrekturleistungen
  • Automatisierung und Individualisierung von Feed-back
  • Optimierung von Verwaltungsprozessen

„Ich kann mir aktuell keinen Ort vorstellen, den eine KI besser lösen kann als ein Mensch.“

  • Datenschutz und Transparenz der Entscheidung(en) wichtig
  • Paradigmenwechsel bei Lehr-Lern-Arrangements nötig
  • Förderung zum Umgang mit Technologie: Methodenkompetenz, Sozialkompetenz
  • Förderung der individuellen Auseinandersetzung: Kritisches Denken, Selbstreflexion

„Die Frage sollte sein: Wo kann der Einsatz von KI signifikante Verbesserungen erreichen ohne eine Gefahr darzustellen?“

„Die Verantwortung für das Lernen liegt immer bei den Menschen, den Lehrenden und Lernenden – ob mit oder ohne KI.“

 

Rückblick – Ausblick

Bereits in der Vergangenheit riefen neue Technologien ein neues Zeitalter des Lernens aus. Neue Medien ermöglichen schließlich erst ein Lernen auf eine ganz andere, neue Art und Weise. So birgt auch KI Potenziale und es ist nicht verwunderlich, dass viele entsprechend auf diesen Zug aufspringen wollen. Gleichermaßen hält mit modernen Technologien auch oftmals ein modernes Lernen Einzug. Doch unsere sich ständig weiterentwickelte Welt voller Technologien birgt auch Gefahren:

Probleme, die im Zusammenhang mit Medien entstehen, werden auch mit Medien beseitig.

An dieser Stelle stellt sich die Frage, ob wir diese neue Technik überhaupt benötigen. Doch das ist der falsche Ansatzpunkt.

Stattdessen sollte man die Diskussion um den Lernprozess ins Auge fassen und nicht die Technologien der KI als Ausgangspunkt dafür verwenden, Bildung zu definieren.