Didaktik der deutschen Sprache und Literatur

Die Veranstaltungsreihe „Deutschdidaktik im Dialog“ wird auch im kommenden Wintersemester fortgesetzt.
Diesmal soll sich alles rund um das Thema „Darstellendes Spiel“ drehen. Dabei geht es vor allem um die Rolle von Theater und Theaterpädagogik in den Lehramtsstudiengängen im Fach „Deutsch“. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Ausprägung des Schwerpunktes „Darstellendes Spiel“ im Lehrplan Sachsen-Anhalts, verglichen zu anderen Bundesländern, sein. 

Hintergrund

Bereits seit vielen Jahren arbeiten an der MLU die Literatur- bzw. Sprachwissenschaft und die Theaterpädagogik im Rahmen der Lehramtsausbildung für das Fach „Deutsch“ eng zusammen.
So finden beispielsweise seit 2005 Theaterseminare in der Literaturwissenschaft statt. Theaterbesuchen werden thematisch an Literatur- oder Altgermanistikseminare gebunden und es werden regelmäßig Gesprächsrunden sowie Seminarbesuche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Halles Bühnen verranstaltet. 

Diese etablierte Kooperation bietet die Möglichkeit für einen weiteren, vertieften Austausch mit gegenseitigen Nutzen. Denn das „darstellende Spiel“ fördert neben theoretischen und theaterpädagogischen Aspekten auch die individuelle Persönlichkeitsentfaltung. Dieser Aspekt ist für das Lehramtsstudium Deutsch, aber vor allem für eine spätere Vermittlung im Deutschunterricht von großer Bedeutung. 

Leider stellt gerade Sachsen-Anhalt eine Ausnahme unter allen Bundesländern dar, was die Einbindung des „darstellenden Spiels“ in die Lehrpläne angeht. Aus diesem Grund möchten wir mit diesem Beitrag und auch mit der entsprechenden Veranstaltung auf „Defizite“ aufmerksam machen und eine perspektivische Änderung ansprechen.

Ländervergleich

In dem folgenden Abschnitt soll eine Art Vergleich der Bundesländer hinsichtlich der Stellung des „darstellenden Spiels“ erfolgen. Betrachtet werden dabei vor allem die Inhalte, Ziele und Kompetenzen sowie der Status des „darstellenden Spiels“ in den jeweiligen Rahmenrichtlinien. 

„Literatur und Theater“

Status: Wahlpflichtfach am Gymnasium

Inhalte, Ziele, Kompetenzen: 

  • Schülerinnen und Schüler gewinnen speziellen Zugang zur Welt, lernen ästehtische Ausdrucksformen kennen
  • Perspektivübernahme
  • Teilnahme am kulturellen Leben auch außerhalb der Schule

Das Fach „Literatur und Theater“ stellt einen „Beitrag zur kulturellen Bildung als konstitutiven Bestandteil des schulischen Bildungsauftrags“ dar

„Theater und Film“

Status: Wahlpflichtfach am Gymnasium (Oberstufe)

Inhalte, Ziel, Kompetenzen:

  • Offenheit, Toleranz für fremde Welterfahrungen
  • Wissen über die Wirkung von Sprache, Körpersprache
  • Teamfähigkeit, Durchhaltevermögen
  • Identitätsfindung, Persönlichkeitsbildung
  • Sach-, Gestaltungs-, Kommunikations-, Selbst-, Medienkompetenz

Das Fach „Theater und Film“ bietet einen „Modus der ästhetisch-expressiven Weltbegegnung“

„Theater“

Status: Wahlpflichtfach am Gymnasium

Inhalte, Ziele, Kompetenzen: 

  • Präsentation vor Publikum
  • Gruppenarbeit
  • Kommunikation miteinander und mit dem Publikum
  • Demokratiefähigkeit, Toleranz

Das Unterrichtsfach „Theater“ bietet die „Chance, dass sich Kinder […] mit eigenen Handlungen, anderen Mitspielerinnen und Mitspielern, dem sozialen Umfeld wie auch Kunst, Musik, Literatur,Geschichte […] auseinandersetzen können.“.

„Darstellendes Spiel“

Status: Wahlpflichtfach am Gymnasium (Oberstufe)

Inhalte, Ziele, Kompetenzen:

  •  Kooperationsfähigkeit, Kreativität, sinnliches Wahrnehmen, ästhetisches Empfinden
  • Denken in Modellen, symbolische Zusammenhänge
  • Vertrauen, Akzeptanz, Umgang mit Gruppendynamiken, Kritik- und Urteilsfähigkeit
  • Medienkompetenz
„Darstellendes Spiel“

Status: Wahlpflichtfach am Gymnasium (Oberstufe)

Inhalte, Ziele, Kompetenzen:

  • produktionsästhetische Ebene: Deutung, Reflektion von sich selbst und seiner Umwelt
  • rezeptionsästhetische Ebene: Teilhabe am gesellschaftliche, kulturellen Leben
  • wissenschaftspropädeutische Ebene: Thetergeschichte- und theorie, Denken in Modellen, symbolische Zusammenhänge
  • Handlungs-, Medienkompetenz
  • Kreativität, Kritik- und Urteilsfähigkeit, aktive Teilhabe am kulturellen Leben
„Darstellendes Spiel“

Status: Wahlpflichtfach am Gymnasium (Oberstufe)

Inhalte, Ziele, Kompetenzen:

  • produktions- und rezeptionsästhetische Fähigkeiten
  • theoretisch-systematische, wissenschaftspropädeutische Fähigkeiten
  • Reflexion des Verständnisses von sich selbst und der Umwelt
  • Teilnahme am kulturellen Leben durch Wahrnehmungs-, Diskurs-, Beurteilungsfähigkeiten
  • Denken in Modellen, symbolische Zusammenhänge, problemlösendes Denken

Dieses Fach erfüllt „den besonderen Auftrag einer grundlegenden theatralen Bildung.“.

„Darstellendes Spiel“

Status: Wahlpflichtfach an allgemeinbildenden Schulen (schulart- und jahresübergreifend)

Inhalte, Ziele, Kompetenzen:

  • Doppelcharakter: künstlerisch-ästhetische Erziehung, Lern- und Kommunikationsbereitschaft
  • Textverständnis, Interpretationsfähigkeit, literarisches Grundwissen, Leseinteresse, sprachliche Ausdrucksfähigkeit, Decodierfähigkeit

Das „darstellende Spiel“ bildet die „Balance zum kognitiven Bildungserwerb“.

„Darstellendes Spiel“ 

Status: Wahlpflichtfach in Sek. I, Unterrichtsfach in Sek. II

Inhalte, Ziele, Kompetenzen:

  • AG- und Projektbereich, methodisches Prinzip im Fachunterricht, eigenständiges Fach
„Literatur“

Status: Wahlpflichtfach am Gymnasium (Oberstufe)

Inhalte, Ziele, Kompetenzen:

  • Projektarbeit in den Bereichen Schreiben, Theater, Medien
„Darstellendes Spiel“

Status: Grundfach am Gymnasium (Oberstufe)

Inhalte, Ziele, Kompetenzen:

  • theaterästhetische Bildung (produktions-, rezeptionsästhetisch, wirtschaftspropädeutisch)
  • Beitrag zur Medienerziehung
  • kulturelle Mündigkeit
  • problemlösendes Denken, Denken in Modellen, symbolische Zusammenhänge
„Darstellendes Spiel“

Status: Wahlpflichtfächer am Gymnasium (Oberstufe)

Inhalte, Ziele, Kompetenzen:

Dieses Fach tritt als „ganzheitlich auf die Entwicklung der Persönlichkeit des Schülers/der Schülerin ausgerichtetes Unterrichtsangebot“ auf. „Es geht dabei um die Förderung der ästhetischen Bildung der Schüler/-innen und um die Erweiterung ihrer eigenen handlungs- und Kommunikationsmöglichkeiten.

„Theaterkonzepte 1-3“

Status: Wahlpflichtfach am Gymnasium (Oberstufe)

Inhalte, Ziele, Kompetenzen:

  • soziales Drama, episches- und dokumentarisches Theater
„Deutsch“

Status: Kernfach 

Inhalte, Ziele, Kompetenzen (bezogen auf gymnasiale Oberstufe):

  • Auseinandersetzung mit Texten unterschiedlicher medialer Form, Theaterinszenierungen
  • Theaterinszenierungen analysieren, Theaterkritiken sichten, erschließen, bewerten, selbst verfassen
„Darstellendes Spiel“

Status: Wahlpflichtfach an Gesamtschulen, Gymnasien (Oberstufe)

Inhalte, Ziele, Kompetenzen:

  • Sachkompetenz: jugendgemäße Theaterformen, überzeugende Ausdrucksmöglichkeiten
  • Methodenkompetenz: Transformation des alltäglichen Ausdrucks, Herstellung von Spielvorlagen
  • Selbstkompetenz: Selbstvertrauen, Eigenständigkeit, Identitätsfindung
  • Sozialkompetenz: Kommunikations-, Teamfähigkeit
„Darstellen und Gestalten“

Status: Wahlpflichtfach an Real- und Hauptschulen, Gymnasien

Inhalte, Ziele, Kompetenzen:

  • fächerintegrierend, handlungsorientiert
  • Darstellendes Spiel + Kunst + Musik

Programm/Anmeldung 33. Bundestagung Theaterpädagogik, Stipendien-Ausschreibung

Liebe Kolleg*innen,

es besteht die Möglichkeit zur Anmeldung unserer Bundestagung Theaterpädagogik im November in Kooperation mit den Bühnen Halle.

Die 33. Bundestagung Theaterpädagogik lotet unter dem Titel »Über den Horizont und weiter…« die Grenzbereiche der Künste in der Theaterpädagogik aus. Das gesamte Programm und weitere Informationen finden Sie hier oder im Anhang.

Studierende der Theaterpädagogik und deren Grenzbereiche aufgepasst, es werden 12 Stipendien vergeben (Bewerbungsfrist ist der 16.09.2019):

DU HAST LUST 

  • unter der Leitung von Lorenz Hippe (Autor u.a. von >>Und was kommt jetzt?<<, Regisseur, Theaterpädagoge) die Tagung in Form einer „performativen Schreibwerkstatt“ zu begleiten
  • auf einem mindestens dreistündigen Workshop mit Lorenz Hippe (hier werdet ihr auf eure Aufgaben gut vorbereitet)
  • an spannenden Workshops der Tagung teilzunehmen
  • kreativ im Team zu arbeiten
  • die Tagung mit deinem Blick zu bereichern

Das Stipendium umfasst: Kostenfreie Tagungsteilnahme, kostenfreie Unterbringung im Mehrbettzimmer sowie Fahrtkostenerstattung bis max. 100 Euro pro Person

BuT_Bundesgung2019
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BuT_Bundesgung2019_Anmeldung (1) Ausschreibung_ Stipendien_33.BuTa_Halle
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