21st Century Skills – Was die Lernenden von heute wirklich brauchen

Die „21st Century Skills“ beinhalten Kompetenzen, die notwendig sind, um junge Menschen auf die immer komplexer werdenden Probleme einer demokratischen, offenen, freien und pluralistischen Gesellschaft vorzubereiten. Auf diese Weise sollen die sogenannten „4-K-Skills“ junge Menschen ideal für die Zukunft rüsten. Doch was genau steckt dahinter?
In diesem Artikel möchten wir Euch die wichtigsten Skills „Kommunikation“, „Kreativität“, „kritisches Denken“ sowie „Kollaboration“ vorstellen und einige (digitale) Anwendungsbeispiele aufzeigen.

Vorstellung der einzelnen Skills

Kommunikation

Man könnte hinterfragen, warum ausgerechnet Kommunikation einen dieser bedeutenden 4-K-Skills darstellt. Schließlich möchte man meinen, dass man jeden Tag miteinander kommuniziert, insofern man die Sprache beherrscht. Doch Kommunikation und ihre Anforderungen haben sich in den letzten Jahren gravierend verändert. So stellt beispielsweise Dejan Mihajlovic in einem Beitrag auf seinem Blog fest:

„Digitales Schreiben ist eben nicht nur digitalisiertes analoges Schreiben. Es verändert die Art zu denken bzw. Texte gedanklich zu konstruieren.“¹

Jedes soziale Netzwerk hat seine ganz eigenen Dynamiken, die auch nicht jedem zugänglich oder verständlich sind. Aus diesem Grund sind Webstrukturen in der Lage, Hierarchien aufzulösen, Grenzen zu überwinden und ein neues Kommunikationsgefüge zu schaffen.

Kollaboration

Auch der Bereich der Kollaboration, also die intensive Zusammenarbeit, gewinnt in unserer heutigen Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Entscheidend dafür sind die Akteure selbst. Für eine gelingende Kollaboration müssen die Akteure bereit dazu sein, miteinander zu kollaborieren und sie müssen miteinander vernetzt sein. Mögliche digitale Plattformen für das kollaborative Arbeiten im Unterricht sind zum Beispiel Padlets, vergleichbar mit digitalen Pinnwänden, oder Etherpads, eine Art webbasierte Editoren. 

Kreativität

Die Probleme in unserer pluralistischen, demokratischen, offenen Gesellschaft werden immer komplexer. Sie bedürfen zunehmend kreativer Lösung: Innovationen. Doch Innovationen, als mitunter die wichtigsten Verknüpfungen unserer Gesellschaft, können nur durch Kreativität entstehen. Kreativität sorgt dafür, dass Wissen in neue Zusammenhänge übertragen wird und führt somit zu Innovation. Im schulischen Bereich lässt sich eine solche Leistung in Form von Projektarbeit umsetzen. 

Kritisches Denken

Kritisches Denken stellt ein weiteres „K“ der „4-K-Skills“ dar. Es besteht darin, in einer global vernetzten Welt Entscheidungen zu treffen. Im Rahmen der Bildungsinstitution Schule und insbesondere des Deutschunterrichts ist kritisches Denken oftmals gefragt. So beispielsweise, wenn es darum geht, einen Zeitungsartikel zu analysieren. Gerade dabei sind die Quellen und die Umstände der Berichterstattung entscheidend und müssen zwingend (kritisch) hinterfragt werden.

Schreibstrategien wie die „Textlupe“ oder das „Über-den-Rand-hinaus-Schreiben“ eignen sich besonders gut, um möglichst viele, wenn nicht sogar alle, der „4-K-Skills“ abzudecken. Jedoch sollte man die Methode und die damit einhergehende Förderung der jeweiligen „K“s nach dem Schwerpunkt der Schreibaufgabe auswählen. Dies ermöglicht einen Perspektivwechsel, womit einhergeht, dass die Lernenden bzw. ihre Stärken und Schwächen berücksichtigt werden.

Hintergrund

Die meisten bildungspolitischen Diskussionen widmen sich der Frage, wie das Lernen in Schulen organisiert sein sollte. Viel wichtiger ist jedoch die Frage, was junge Menschen für das 21. Jahrhundert lernen müssen.
Das Buch „Die vier Dimensionen der Bildung. Was Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert lernen müssen“ gibt eine fundierte Grundlage für Diskussionen rund um die Neugestaltung von Bildungszielen und Curricula. 

Warum Lernen von der Was- und nicht von der Wie-Seite betrachten?

Theoretisches Wissen ist nach wie vor wichtig, jedoch nur noch als Grundlage. Worauf es wirklich ankommt ist, dass Bildungsinstitute den Lernenden helfen, eine Navigation zu entwickeln, um sich in der unsicheren, unbeständigen und mehrdeutigen Welt zurechtzufinden. Die Autoren des Buches heben dabei vor allem Fehler und wie man aus ihnen Lernen kann als wichtigen Bestandteil des Wissenserwerbs hervor. Doch gerade die Fehleranalyse lässt im Schulalltag oftmals zu wünschen übrig. An Klausuren und Tests ist zwar meistens rot markiert und oft auch kommentiert, worin der Fehler lag, doch mal ganz davon abgesehen, dass sich die meisten Schülerinnen und Schüler diese Bemerkung nicht durchlesen, können sie damit oftmals nicht viel anfangen. Häufig ist es auch der Fall, dass die Lehrperson gar keine Zeit hat, ausführlich die Fehler vom letzten Test zu kontrollieren, weil sie mit der Vermittlung des Unterrichtsstoffes vorankommen muss. 

Wo früher der Lernerfolg darin bestand, dass (auswendig) gelernte Wissen aufzusagen, definiert er sich heute darüber, dass bereits bestehende Wissen zu erweitern und auf neuartige Situationen anwenden zu können. In einer Welt, in der man durch Wikipedia jeder Zeit verfügbaren Zugriff auf Wissen ganzer Generationen hat, ist es nicht mehr lohnenswert, Wissen selbst zu besitzen. Es kommt vielmehr darauf an, dieses Wissen anzuwenden in einer sich ständig wandelnden Welt. Die Schöpfung basiert heutzutage auf Neugier, Aufgeschlossenheit, Empfänglichkeit für neues Wissen und der Fähigkeit, Verbindungen zwischen Ideen zu finden, die vorher womöglich nichts miteinander zu tun hatten. Mithilfe der Vorstellungskraft werden bereits bekannte Punkte zu etwas Neuen, Innovativen verbunden. Stichwort hierbei ist die „Versatilität“ oder auch „Vielseitigkeit“

„Versatilisten können fundierte Kenntnisse auf eine ständig wachsende Bandbreite von Situationen und Erfahrungen anwenden. Sie entwickeln dabei neue Kompetenzen, bauen Beziehungen auf und wechseln in neue Rollen.“²

Zusätzlich zu dieser Wandelbarkeit müssen junge Menschen heutzutage noch ganz andere Fähigkeiten besitzen, um in dieser Welt (erfolgreich) zu überleben. Dazu zählt die gemeinsame Arbeit mit anderen Menschen. In den seltensten Fällen entstehen Innovationen als Produkt einer individuellen, isolierten Arbeit. Vielmehr sind sie Ergebnis von einem geteilten, vernetzten Wissen. 

Der Hauptpunkt dieser ganzen Betrachtungen ist folgender: Die Lehrpläne in Deutschland sind viel zu ausgedehnt, oberflächlich und überladen mit nicht unbedingt relevanten Inhalten. Solche Lehrpläne dominieren den Schulalltag und das, obwohl sie die Entwicklung von fundierten Kompetenzen, fortschrittlicher Pädagogik und damit auch die der Kinder behindern.

Die „4-K-Skills“ fördern hingegen unterschiedlichste Aspekte des Lernens. So betonen sie beispielsweise den konstruktivistischen Ansatz des Lernens und die darin enthaltenen Fähigkeiten der Recherche, Diskussion und Übernahme verschiedener Sichtweisen. Daneben bewirken sie auch eine Förderung der sozialen- bzw. Persönlichkeitsaspekte des Lernens. Schließlich wird Wissen oftmals sozial konstruiert. Weiterhin sprechen die „21st Century Skills“ die kreativen Aspekte des Lernens an. Sie dienen der Vermittlung von Wissen durch Machen im Sinne von Erschaffen bzw. Nachmachen. 

Die mit den Skills geförderte Transferleistung gilt als ideale Vorbereitung auf ein zukünftiges Leben. Bei einer Transferleistung kommt es zur Anwendung des Gelernten in einem anderen Kontext als dem bereits bekannten. Im Zuge dessen erfährt auch der Lerntransfer eine höhere Gewichtung. 

„Diese Perspektive definiert Lerntransfer neu als die produktive Nutzung von Fähigkeiten und Motivationen, um Schülerinnen und Schüler darauf vorzubereiten, in neuartigen Situationen der echten Welt zu lernen bzw. in Lernumgebungen, die reich an Ressourcen und damit viel näher an Herausforderungen des echten Lebens sind.“³

Diese Transferleistung wird den Schülerinnen und Schülern nur ermöglicht, wenn Lernumgebungen die aktive Rolle der Lernenden hervorheben, deren Selbststeuerung erhöhen, ihre Fähigkeiten zur Kommunikation und Reflexion anregen und für sie sozial bedeutsam sind.

Fazit

Unserer Meinung nach sollten die 21st Century Skills definitiv mehr Beachtung in den Lehrplänen der Bundesländer finden. Andernfalls wird die Kluft zwischen dem, was die Schüler*innen in der Schule lernen und dem, was sie in ihrem (Berufs-)Alltag benötigen, immer größer. Mit dem Aufschwung der Digitalisierung wurde eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte eingeläutet. In Anbetracht dessen erscheint es durchaus als unpassend, die „Digital Natives“ in den Schulen entlang von Lehrplänen aus einer „vergangenen“ Menschheitsepoche auszubilden. 

Quellen:

[1] Dejan Mihajlovic: „Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken – mehr als Buzzwords“, unter: https://mihajlovicfreiburg.com/2017/04/18/kommunikation-kollaboration-kreativitaet-und-kritisches-denken-mehr-als-buzzwords/ (abgerufen am 29.09.2019).

[2] Charles Fadel, Maya Bialik, Bernie Trilling: Die vier Dimensionen in der Bildung. Was Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert lernen müssen, Hamburg (ZLL21) 2017, S. 3.

[3] Fadel, Bialik, Trilling: Die vier Dimensionen der Bildung, S. 123.

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