Semesterabschluss WiSe 20/21

Das Wintersemester neigt sich langsam, aber sicher dem Ende. Für den einen verging es wie im Flug, für den anderen konnte es gar nicht schnell genug vorüber sein. Doch auch wenn das zweite Online-Semester in Folge für jeden von uns Herausforderungen bereithielt, lohnt es sich dennoch, den Blick auf die zahlreichen positiven Momente zu werfen.

Daher haben wir mithilfe von Instagram und Twitter eure lustigsten Momente aus dem vergangenem Online-Semester gesammelt und das ist dabei herausgekommen:

Wir, die Deutschdidaktik MLU, wünschen euch allen einigermaßen erholsame Semesterferien, auch wenn Hausarbeiten und Klausuren die Erholung schwierig gestalten – von Corona ganz zu schweigen. Das wichtigste ist jedoch, dass ihr alle gesund bleibt!
Wir melden uns natürlich weiterhin regelmäßig. Der nächste Blogbeitrag ist schon in den Startlöchern.

Vielen Dank übrigens an alle, die bei der Aktion mitgemacht haben!

Release Radar: YouTube-Kanal „Kopfsalat erklärt“

Steckst du auch gerade mitten in der Klausurenphase und weißt nicht mehr, wo oben und unten-, geschweige denn, was der Unterschied zwischen Morph und Morphem ist? Dann kommt der kürzlich eröffnete YouTube-Kanal „Kopfsalat erklärt“ für dich ja wie gerufen!
Mit den dort publizierten Erklärvideos geben Stefanie Klein und Justine Schöne nämlich Antworten auf den germanistischen Salat im Kopf für Studierende und Interessierte. Schau doch mal rein!

Beschreibung

Phoneme, Morpheme, Wörter, Sätze, Texte, Bücher, Theorien – das wird ja immer mehr. Da haben wir den Salat! Wir sind Justine und Stefanie und wollen mit unserem Kanal etwas Ordnung in euren germanistischen Kopfsalat bringen. Dabei folgen wir dem Motto: “Ach, scheiß drauf, einfach machen!” Denn wir sind der Überzeugung, dass man am besten lernt, in dem man einfach Dinge ausprobiert. Nach unserem Lehramtsstudium mit den Fächern Germanistik und Philosophie haben wir uns mit unseren Doktorarbeiten ganz dem Thema der Wissensvermittlung gewidmet. Und genau das ist hier unser Ziel: Wir bringen unser Wissen zu euch. Jede Woche ein kleines, knackiges Video.

Quelle: https://www.youtube.com/channel/UC4bu2Om7CblYBxkvUNW6vJg/about

Nachtrag „,Wir haben Ihr Ziel erreicht!‘ Intentionales Sprachhandeln in der Digitalkultur“

Ein Vortrag von Prof. Dr. Matthias Ballod im Rahmen der Reihe „Imitatoren des Menschlichen“

Innerhalb der Vortragsreihe „Imitatoren des Menschlichen“, organisiert von der studentischen Institutionsgruppe Soziologie, kommen Referent*innen und Interessierte aus verschiedensten Disziplinen zusammen, um unter techniksozilogischem Schwerpunkt Fragen nachzugehen wie: Was muss in der Gesellschaft bezüglich der zunehmenden Präsenz von Computerprogrammen thematisiert werden? Wie können wir Computerprogramme verstehen und dafür sorgen, dass sie uns auch verstehen? Und was bedeutet diese Entwicklung für unser gesellschaftliches Zusammenleben?

Der dritte von vier Vorträgen dieser Reihe wurde von Prof. Dr. Matthias Ballod am 20. Januar gehalten und trug den Titel „,Wir haben Ihr Ziel erreicht!‘ Intentionales Sprachhandeln in der Digitalkultur“. Im Anschluss an den Vortrag wurden die Fragen der Zuschauer*innen gesammelt und gemeinsam mit Prof. Dr. Ballod diskutiert.

Sämtliche dieser Inhalte und Diskussionspunkte könnte ihr in diesem Beitrag noch einmal ausführlichst nachlesen!

Kurzzusammenfassung:

„In diesem Beitrag soll aufgezeigt werden, wie (Sprach)Systemen mit so genannter ‚Künstlicher Intelligenz‘ sowohl die theoretische Sprachbetrachtung als auch die praktische Sprachverwendung herausfordern. Zwei zentrale Definitionsmerkmale von ‚Text‘, nämlich dass er einen Anfang und ein Ende hat sowie einen Verfasser und einen Adressaten(kreis), taugen als Definiens im Digitalen längst nicht mehr. Indem Sprachsysteme zunehmend spontane Interaktion simulieren und Sprachhandeln imitieren, ist nun auch eine wissenschaftliche und praktische Neubewertung von ‚Dialog‘ und ‚Gespräch‘ nötig. Linguistisch und didaktisch öffnet sich dabei ein Feld, in dem kommunikative Prinzipien, Gewissheiten und Konstanten – wie im Titel angedeutet – kritisch hinterfragt werden müssen.“[1]

[1] Zit. Imitatoren des Menschlichen. https://imitatoren-des-menschlichen.de/ (27.01.21).

Zusammenfassung:

Der Vortrag mit dem Titel „,Wir haben Ihr Ziel erreicht!‘ Intentionales Sprachhandeln in der Digitalkultur“ setzte sich aus einer sprachtheoretischen Betrachtung sowie darüber hinaus einer sprachwissenschaftlich-pragmatischen Perspektive, die sich insbesondere mit der Beschreibung sowie der Analyse des menschlichen Sprachgebrauchs beschäftigte, zusammen.

Das Verhältnis von Sprache und Mensch

In diesem Zusammenhang bezog sich Prof. Dr. Ballod zunächst auf das Verhältnis von Sprache und Mensch. Demnach ging es in der Antike vorrangig um das Verhältnis von Sprache und Denken bzw. von Verstand und Logik. Davon zeugt beispielsweise der Dialog „Kratylos“, eines der ältesten vollständig erhaltenen Dokumente europäischer Sprachphilosophie. „Denken“ wird dabei als „Dialog der Seele mit sich selbst“ verstanden, die ihrerseits wiederum autark, einsam und prinzipiell ohne Verständigung einen Zugang zur Wahrheit besitzt. Darüber hinaus bestimmte Platon „Sprache“ in Form von stimmlicher Verlautbarung als einen „Ausfluß des Denkens“. Sie hat also keine wahrheitsstiftende Funktion inne.
Weiterhin bezieht der Vortragende sich auf den Dichter und Denker Johann Gottfried Herder bzw. auf dessen „Abhandlung der Sprache“. Den Impuls für dieses Werk gab die Preisfrage der Berliner Akademie aus dem Jahre 1771, die da lautete: „Haben die Menschen, ihrer Naturfähigkeit überlassen, sich selbst die Sprache erfinden können?“. In der Abhandlung heißt es diesbezüglich, dass das allgemeine Interesse am Ursprung der Sprache aus unterschiedlichen Fragestellungen resultiere: Zum einen schien die Sprache Auskunft über das Verhältnis von Vernunft und sprachlichem Ausdruck bzw. von Denken und Sprechen zu geben. Zum anderen lieferte sie ein anthropologisch bedeutsames Unterscheidungskriterium, nämlich die Grenzmarke zwischen Mensch und Tier. Darüber hinaus schien sie, kosmologisch gesehen, auf einen Bruch in der Kette des Geschaffenen zu verweisen, wenn der Unterschied zwischen Mensch und Tier nicht nur als ein gradueller, sondern als ein spezifischer angesehen werden konnte. Nicht zuletzt konfrontiert die Sprache den Menschen mit der Frage, ob sie aus der (tierischen) Natur des Menschen entsteht oder nur durch göttliche Unterweisung sowie durch göttlichen Unterricht erlernt werden konnte. Herder selbst macht in seinem Werk deutlich, dass er Sprache als einen Ausdruck der Seele sieht und bezieht sich demnach auf die Sinnlichkeit. Seiner Auffassung nach besteht also ein enges Verhältnis zwischen Sprache bzw. Sprechen und Bewusstsein bzw. Selbstbewusstsein. Während das Tier der starken Reizbarkeit seiner Triebe untersteht, tritt beim Menschen hingegen eine Disposition in Erscheinung, die Herder seine „Besonnenheit“ nennt. Das heißt, dass der Mensch nicht nur fühlt und erkennt, sondern darüber hinaus auch weiß, was er genau fühlt und erkennt. Das von Ballod angebrachte Zitat Herders fasst die angeführten Punkte noch einmal zusammen:

„Besonnenheit erweist der Mensch dadurch, daß er auf drängende Einflüsse nicht unmittelbar zu reagieren gezwungen ist, sondern aus dem ganzen ,Ocean der Empfindungen‘ einige ,Merkmale absondern‘ und ,die Aufmerksamkeit auf sie richten‘  kann.“[1]

In diesem Zusammenhang bezieht sich der Professor im weiteren Verlauf seines Vortrags auf die vier „Naturgesetze“ Herders, die er aus der Annahme, dass Sprache als Ausdruck der Seele zu verstehen ist, ableitet:

  1. Der Mensch ist ein frei denkendes und bestimmendes Wesen.
  2. Der Mensch ist ein Geschöpf der Herde.
  3. Der Mensch entwickelt Nationalsprachen
  4. Es gibt nur einen Sprachursprung.[2]

Ballod fasst Herders Ansatz so zusammen, dass Sprache als Inhalt und Form des Gedankens zu verstehen ist. Der Mensch kann seine Mängel durch Besonnenheit bzw. Vernunft ausgleichen. Daher ist er als ein frei denkendes und frei bestimmendes Wesen mit geistigen Kräften, die sich progressiv entwickeln, anzusehen.

In einem dritten Schritt bezieht sich Prof. Dr. Matthias Ballod auf Humboldt, der seine Überlegungen eher denk-psychologisch ausrichtet und nicht sinnlich-psychologisch, wie Herder es getan hat. Wilhelm von Humboldt hat sich in seinen beiden Abhandlungen „Über den Dualismus“ (1832) und „Über Denken und Sprechen“ (1795/96) mit der energetischen Sprachauffassung auseinandergesetzt, die in direkter Verbindung zu bestimmten seelisch-geistigen Grundformen und Haltungen steht. Sprache wird demnach als System- und Sprechen als Prozess begriffen. Humboldt definiert in diesem Zusammenhang die drei Begriffe „Energeia“, die wirkende Kraft, „Ergon“, das reine Sprachmaterial sowie „Dynamis“, die individuelle Sprachfähigkeit. Das von Ballod angebrachte Zitat fasst Wilhelm von Humboldts Ausführungen noch einmal zusammen:

„Sie selbst ist kein Werk (Ergon), sondern eine Thätigkeit (Energeia).Ihre wahre Definition kann daher nur eine genetische seyn. Sie ist nemlich die sich ewig wiederholende Arbeit des Geistes, den articulierten Laut zum Ausdruck des Gedankens fähig zu machen.“[3]

Weiterhin geht der Vortragende auf den Zusammenhang zwischen Denken und Sprechen ein, den Humboldt in seinem Fragment „Über Denken und Sprechen“ (1795/96) wie folgt formuliert:

„1. Das Wesen des Denkens besteht im Reflektieren, d.h. im Unterscheiden des Den­kenden von dem Gedachten. Um zu reflectieren, muss der Geist in seiner fortschreitenden Thätigkeit einen Au­genblick still stehen, das eben Vorgestellte in eine Einheit fassen, und auf diese Weise, als Gegenstand zu sich selbst entgegenstellen. […] Kein Denken, auch das Reinste nicht, kann anders, als mit Hülfe der allgemeinen Formen unsrer Sinnlichkeit geschehen; nur in ihnen können wir es auffassen und gleichsam festhalten.“[4]

Doch Humboldt geht sogar noch einen Schritt weiter und formuliert konsequent-radikal:

„Das Subjekt erfährt die außersprachliche Wirklichkeit nicht mehr unmittelbar im Bewußt­sein, sondern trifft stets auf eine durch Sprache vorgeformte und geordnete Welt. […]“[5]

Dabei beeinflusst die Sprache das innere (Selbst-)Bild des Subjekts als auch das Sub­jekt die Sprache und somit wiederum die ihn umgebende Welt, ganz im Sinne der energetischen Sprachauffassung, so Ballod:

„Sprachsystem und Sprachbenutzer wirken in dieser Bestimmung nach ständig aufeinander ein. Die Subjektivität des einzelnen Sprechers geht in die Sprache ein, andererseits ist die individuelle Sprachverwendung von den historisch entstandenen Sprachnormen einer Sprachgemeinschaft abhängig. Diese Normen werden jedoch nicht statisch verstanden, sondern unterliegen durch individu­elle, kreative Sprechakte einem ständigen Prozeß der Veränderung.“[6]


Ballod resümiert entsprechend der drei angeführten bedeutenden Dichter und Denker, dass Sprache und Sprechfähigkeit als zentrale Wesensmerkmale des Menschen zu betrachten sind. Denn sie verleihen seinen Gedanken und Gefühlen Ausdruck und stiften zugleich Selbstbewusstsein.


[1] Zit. Herder: Abhandlung über den Ursprung der Sprache (1771).

[2] Ebd.

[3] Zit. Humboldt: Über den Dualismus (1832).

[4] Zit. Humboldt: Über Denken und Sprechen (1795/96).

[5] Ebd.

[6] Ebd.

Das Verhältnis von Sprache und Kommunikation

Im zweiten Teil seines Vortrags widmet Prof. Dr. Matthias Ballod sich dem Verhältnis von Sprache und Kommunikation. Dazu bezieht er sich zunächst auf Karl Bühler bzw. auf dessen Organon-Modell, welches zeigt, dass Sprache verschiedene Funktionen erfüllt und dementsprechend angemessenes Sprachhandeln als funktional beschreibt.

Organon-Modell (Karl Bühler)

Quelle: Bühler: Organon-Modell. http://hispanoteca.eu/Linguistik/o/ORGANON-MODELL%20von%20Karl%20B%C3%BChler.htm (27.01.21)

Ballod fährt fort, dass angemessenes Sprachhandeln nach Bühler nicht nur als funktional-, sondern auch als situativ angesehen werden kann. Dies wird anhand der folgen Abbildung deutlich, die zeigt, dass Sprache von einer Person aus gedacht sein muss und erst durch einen konkreten Bezugspunkt verständlich wird.

Deixis: Ich – Hier – Jetzt – Origo (Karl Bühler)

Quelle: Wikipedia: Deixis. https://de.wikipedia.org/wiki/Deixis#/media/Datei:Deixis_(DE).png (27.01.21).

Die Sprechakttheorie von John Searle hingegen beschreibt angemessenes Sprachhandeln als aktional. Das heißt, dass Sprache nur funktioniert, wenn man auch weiß, welchen Sprechakt man damit vollzieht. Searle stellt in seiner Theorie fünf Illokutionsklassen auf, die sich aus den drei Bühler’schen Grundfunktionen ableiten:

Quelle: Searle: Sprechakttheorie

Die Grundlage zu Searles Sprechakttheorie bilden John Austins Vorlesungen „How to do things with words“ (2007). Austin selbst hat drei Sprechakte definiert, wohingegen Searles Theorie sich aus vier Sprechakten zusammensetzt:

  1. Äußerungsakt
  2. Propositionaler Akt
  3. Illokutionärer Akt
  4. Perlokutionärer Akt[1]

Für Ballod verdeutlicht der von Austin und Searle beschriebene Handlungscharakter von Sprache, dass sprachliche Äußerungen nicht allein durch formale Analyse erklärbar sind. Denn für die Deutung von Sprache ist ein Wissen über den Gesprächskontext, in dem die Äußerung getätigt wurde, essenziell ebenso wie das Wissen über Konventionen und soziale Regeln. Ballod schlussfolgert daraus, dass wenn sprachliche Äußerungen Handlungen darstellen, diese grundlegend an der Gestaltung unserer Umwelt beteiligt sind.
Zu guter Letzt bezieht der Vortragende sich auf die Kooperationsprinzipien bzw. Konversationsmaxime von Paul Grice:

  • Maxime der Qualität: Versuche deinen Gesprächsbeitrag so zu gestalten, dass er wahr ist.
  • Maxime der Qualität: Mache deinen Gesprächsbeitrag informativ wie nötig und nicht informativer als nötig.
  • Maxime der Relation: Mache deinen Gesprächsbeitrag relevant.
  • Maxime der Modalität: Sei verständlich.[2]

Angemessenes Sprachhandeln wird in diesem Zusammenhang als volitiv angesehen, so Ballod, und ist dementsprechend davon geprägt, dass man etwas ausdrücken möchte. Dies ist sowohl bezogen auf Gespräche als auch auf andere Formen der Kommunikation.


Bezüglich des Verhältnisses von Sprache und Kommunikation resümiert Prof. Dr. Matthias Ballod, dass sprachliche Interaktion durch kommunikative Kontexte determiniert ist sowie, dass kommunikativer Sprachgebrauch als funktional, situational, aktional und volitiv zu betrachten ist.


[1] Searle: Sprechakttheorie

[2] Grice: Kooperationsprinzipien/Konversationsmaxime (1975).

Das Verhältnis von Sprache und KI

In dem dritten Teil seines Vortrages widmet sich Ballod dem Verhältnis von Sprache und KI. Dieser Auseinandersetzung stellt er zwei Fragen an den Anfang: Zum einen die Frage, ob KI-Systeme aus sich selbst heraus „Sprache“ erfinden können. Zum anderen, ob KI-Systeme aus sich selbst heraus angemessen sprachhandeln. Der Vortragende beantwortet die beiden Sprachen im gleichen Atemzug. Demnach kann man der ersten Frage aktuell mit keinem klaren „Nein“ begegnen. Die zweite Frage hingegen ist durchaus in einem gewissen Maße beantwortbar, denn KI-Systeme können pragmatisch-kommunikativ agieren und demnach situationsangemessen kommunizieren.
Darüber hinaus bezieht Ballod den Turing-Test (1950) in seine Betrachtungen mit ein. In der üblichen Form des Turing-Tests versucht C zu entscheiden, ob es sich bei A oder B jeweils um einen Computer oder einen Menschen handelt. A und B versuchen C davon zu überzeugen, dass sie selbst Menschen sind. Natürlich Sprache funktioniert in diesem Zusammenhang als „Benchmark“ für die (kognitive) Leistungsfähigkeit von Systemen. Es geht also um die Frage, inwieweit Algorithmen in der Lage sind, Sprache zu verarbeiten?

Turing-Test (1950)

Quelle: Wikimedia Commons: Turing-Test. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Turing_Test_version_3.png#/media/Datei:Turing_Test_version_3.png (27.01.21).

Auch das Computerprogramm „ELIZA“ (1966) von Joseph Weizenbaum findet in Prof. Dr. Matthias Ballods Ausführungen Erwähnung. Das Programm dient der Simulation eines Therapeuten nach der klientenzentrierten Gesprächsanalyse von C. Rogers. Erstaunlicherweise haben sich viele Menschen von der Maschine besser angesprochen gefühlt, da sie eine Art der Wertschätzung des Gegenübers durch die Wiederholung dessen Worte nutzte. Dies hatte eine enorme Welle an Computer-Kritik ausgelöst, so Ballod.

Mit einem Rückbezug zum Titel des Veranstaltungsreihe „Imitatoren des Menschlichen“ stellt der Vortragende für seine weiteren Ausführungen die zentrale Frage in den Raum, wer oder was überhaupt nachgeahmt wird. Dabei muss man jedoch betrachten, dass der Mensch Sprache für spezifische Ziele und Handlungen verwendet. Eine Nachahmung durch KI von Sprache – phonetisch, graphisch und in Teilen pragmatisch – sowie von Interaktion – in Form von Frage und Antwort bzw. Instruktion und Reaktion – ist demnach auch heute schon ohne Probleme möglich. Auch eine Nachahmung von Kommunikation durch KI ist bedingt bzw. in Ansätzen bereits Teil unseres Alltags. Lediglich die Nachahmung von Sprachhandeln ist bislang nicht möglich bzw. benötigt im Moment noch eine Adaption, so Ballod. Kommunikation kann also durchaus nachgeahmt und in bestimmten Situationen simuliert werden, aber ist eine solche Simulation auch bei einem Dialog möglich? Von dieser Frage ausgehend zieht Ballod sein nächstes, vorläufiges Fazit, dass sich die Mensch-Maschine-Interaktion definitiv verstärkt hat. Insbesondere hat sich dabei jedoch die Art verändert, wie Menschen mit Systemen kommunizieren.

Das Verhältnis von Intention, Situation und Handeln

In dem letzten Teil seines Vortrags widmet sich Prof. Dr. Matthias Ballod schließlich dem Verhältnis von Intention, Situation und Handeln am Beispiel von Sprachassistenten, indem er sich auf konkrete Beispiele aus dem Alltag bezieht. Die Sprachassistenten teilt er in mehrere Stufen ein:

Stufe I:

  1. Automatisierte, allgemeine Aussagen (Bahnhof, Warteschleife beim Telefon)
  2. Automatisierte, allgemeine Aussagen mit Sprach- und Nummernauswahl zur spezifischen Navigation
  3. Aufzeichnung von Sprachnachrichten (Anrufbeantworter, Sprachnachrichten)

Stufe II: (Bi-)Direktionale Ansagen (Navigation)

Stufe III: Instruktive Sprachsteuerung (Smart Home)

Stufe IV: Informierende Kommunikation (Alexa, Siri)

Zuletzt führt Ballod noch ein eigenes Beispiel an, welches ein Gespräch zwischen ihm und Siri dokumentiert:

Der Professor macht deutlich, dass das Gespräch, oberflächlich betrachtet, zwar einen kommunikativen Sinn hat, aber nicht intentional gedacht und gemacht ist. Schließlich besteht Kommunikation nicht nur aus Frage und Antwort oder Aufforderung und Reaktion, sondern hat auch eine emotionale Komponente. In diesem Zusammenhang stellt er die Frage in den Raum, ob Sprachassistenzen Empathie imitieren können?


Zum Schluss gibt der Vortragende zwei Beispiele die noch einmal ganz deutlich zeigen, was Sprachassistenten bereits können und was sie, seiner Meinung nach, in Zukunft können werden:

Diskussion

Schluss Falls euch dieser Beitrag gefallen- und Lust auf mehr gemacht hat, habt ihr am 17. Februar 2021 um 18 Uhr noch einmal die Chance, am letzten Vortrag der Reihe mit dem Titel „Autorschaftsanalyse und -verschleierung“ teilzunehmen. Weitere Infos dazu findet ihr unter: https://imitatoren-des-menschlichen.de/

Nachtrag Ringvorlesung „We need to talk about AI.“

Fit, motiviert und ausgeruht von den Weihnachtsferien melden wir, die Deutschdidaktik der MLU, uns wieder zurück. Natürlich kommen wir nicht mit leeren Händen, denn das neue Jahr ist schon mächtig vorangeschritten und so können wir euch bereits von dem ein oder anderem Ereignis berichten. Am 15. Januar beispielsweise durfte Prof. Dr. Matthias Ballod die Ringvorlesungsreihe „We need to talk about AI“ mit dem Vortrag „Lernende Systeme vs. lernende Subjekte“ eröffnen.

Die Aufzeichnung des Vortrags könnte ihr euch ab sofort bei YouTube ansehen:

„We need to talk about AI” – Eine Ringvorlesung der Hochschulen des Landes Sachsen-Anhalt

Künstliche Intelligenz ist derzeit in aller Munde: Einerseits stellt sie eine der begehrtesten Technologien für eine Vielzahl von Anwendungsgebieten dar. Andererseits ist sie dennoch nach wie vor eine Blackbox. Denn von KI existieren keine einheitlichen Definitionen, die genaue Funktion sowie der Nutzen ist vielen schleierhaft und nicht überall, wo KI draufsteht, ist auch KI drin. Dadurch ergibt sich in unserer Gesellschaft bezogen auf KI eine enorme Verunsicherung, die sich in Fragen wie „Hört Alexa mich ab?“ widerspiegelt.
An diesem Punkt will die Ringvorlesung ansetzen und das Thema für Interessierte oder Verunsicherte verständlich aufbereiten. Dabei liegt der Fokus allen voran auf der gesellschaftlichen Ebene von Künstlicher Intelligenz.
In Folge des Auftaktes der 2. KI & Wir*-Convention im November 2020 mit der Keynote „Hey Siri, haben Maschinen Vorurteile“ von Natalie Sontopski widmen sich ab Januar 2021 bis zum Sommer monatlich Dozierende der Landeshochschulen Sachsen-Anhalts gemeinsam mit einem/einer Tandempartner*in verschiedenen Fragen rund um die Verbesserungspotenziale von KI hinsichtlich Fairness und Diversität. Die Vorlesungen finden einmal im Monat im Livestream via Zoom statt und werden aufgezeichnet, sodass sie zu einem späteren Zeitpunkt auf der KI & Wir*-Website (https://ki-convention.com/) abgerufen und angesehen werden können.  

Prof. Dr. Matthias Ballod: „Lehrende Systeme vs. lernende Subjekte“

In seinem 15-minütigen Impulsreferat rückt Prof. Dr. Ballod das Zusammenspiel von Sprachverarbeitung und -vermittlung sowie sprachlichem und didaktischem Handeln ins Zentrum seiner Betrachtungen – allen voran im Kontext einer sich ausbildenden Debatte zum Zweck und Nutzen von KI-Anwendungen im Bildungsbereich. Dabei geraten auch mehrdimensional die Wechselwirkungen, Rollen, Funktionen und (mediale) Gestaltung von Lehr-Lern-Settings in den Blick.

Vor dem Hintergrund der Frage, welche Rolle KI in der Bildung spielt, widmet sich Ballod in seinem Vortrag zunächst der Frage, was man überhaupt unter Lernen versteht. Zunächst macht er deutlich, dass Lernen sehr viel mehr ist als bloßer Wissenserwerb, nämlich die Verknüpfung ganz unterschiedlicher Teilfähigkeiten und -fertigkeiten. In diesem Zusammenhang charakterisiert er „Lernen“ als einen aktiven, selbstgesteuerten, kontrollierten, konstruktiven, sozialen sowie emotionalen Prozess (Reinmann-Rothmeier / Mandl 2006: 145). Lernen kann als emotionaler Prozess betrachtet werden, da es nicht nur eine kognitive Leistung-, sondern den Menschen auch emotional und motivational fordert. Die soziale Komponente des Lernens ist darauf zurückzuführen, dass es stets in einen kulturellen und situativen Hintergrund eingebettet ist und dementsprechend meist in Interaktion mit Anderen stattfindet. Weiterhin basiert Lernen auf eigenständigen Lernaktivitäten. Außerdem ist der Lernprozess als ein konstruktiver Prozess anzusehen, da beim Lernen Schemata gebildet und Verknüpfungen zum Vorwissen erzeugt werden. Lernen erfordert darüber hinaus Steuerungs- und Kontrollprozesse, nicht zuletzt in der Auseinandersetzung mit Lernangeboten. Daraus schlussfolgert Ballod, dass Lernen nicht immer Spaß macht und vor allem nicht beliebig beschleunigt oder effektiver gemacht werden kann (Reinmann-Rothmeier/Mandl 1999).

Ballod fährt fort, dass Lernen, jedenfalls das institutionelle Lernen, immer auch eine zweite Seite, nämlich die des Lehrens besitzt. Im Bereich der Lehrendenbildung kommt dies doppelt zum Tragen, denn die Studierenden sollen ihr Fach und auch Pädagogik lernen. Zugleich müssen sie vermittelt bekommen, wie sie ihr Wissen an Lernende weitergeben, also welche Bildungsangebote sie ihren Schüler*innen anbieten wollen und warum. Allen voran die Corona-Krise hat gezeigt, wie Lernen und Lehren abseits des üblichen Frontalunterrichts aussehen kann und wie sich die Aufgaben der Lehrkräfte verändert haben und auch weiterhin verändern werden. In diesem Zusammenhang löste die Krise einen Ruf nach Reform der Lehrendenausbildung aus, denn Lehrenden wird die Aufgabe der Wissensvermittlung zusehends von Technologien abgenommen, sodass sie vielmehr als Coaches für Schüler*innen agieren (Quelle: Mitteldeutsche Zeitung: 01.11.2021, S. 6). Dieser Sachverhalt gewinnt umso mehr an Bedeutung, wenn man in Betracht zieht, dass auch das Lernen im 21. Jahrhundert weit von dem stupiden Auswendiglernen, wie man es noch von vergangenen Zeiten kannte, entfernt ist. Heute orientiert sich Lernen vor allem an dem 4K-Modell welches Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation und Kollaboration miteinander verbindet. Das bedeutet, dass beim Lernen im 21. Jahrhundert nicht KI oder Digitalisierung im Mittelpunkt stehen, wie oftmals angenommen wird, sondern die vier genannten, individuellen und sozialen Fähigkeiten.

Um zurückzukommen auf die Ausgangsfrage, was Künstliche Intelligenz für die Bildung leisten kann, bezieht sich Ballod auf eine Online-Umfrage aus dem Jahr 2019, die das Thema das Wissenschaftsjahres 2019 „Künstliche Intelligenz“ aufgriff und dazu diente, Bildungsverantwortliche zu sensibilisieren bzw. ein Stimmungsbild einzuholen. Auf die Frage, welchen Nutzen von KI-Technologien die Befragten im Bildungssektor sehen, wurden zahlreiche Antworten abgegeben, die beweisen, dass KI durchaus Chancen für den Bildungsbereich eröffnet. Einige der Befragten sahen in KI beispielsweise einen großen Nutzen für die Individualisierung des Lernprozesses, für die Analyse von Daten diesbezüglich, für die Zeit- und Ortsunabhängigkeit des Lernens, für eine weitere Differenzierung des Bildungswesens sowie für die Unterstützung der Lehrkräfte (Ballod, M.; Klein S. (2020): KI in der Bildung. Erste Befunde zur Online-Befragung. In: Zeitschrift für Information: Wissenschaft & Praxis. de Gruyter. Band 71. Heft 1. 3-4).

Das Thema des Wissenschaftsjahres 2019 „Künstliche Intelligenz“ war nicht nur ausschlaggebend für die angeführte Umfrage, sondern auch für das von dem DGI-Forum Wittenberg erarbeiteten Positionspapier. Durch Fachvorträge und weitere Diskussionen will das DGI-Forum Wittenberg den darin enthaltenen Positionen nachspüren, sie spezifizieren sowie auf ihre Gültigkeit bzw. Anwendbarkeit hin prüfen. In seinem Vortrag bezieht Ballod, sich auf die ersten drei Positionen, die da lauten:

  1. KI im Bildungswesen ist per se weder gut noch schlecht. Die fortschreitende Digitalisierung erzwingt jedoch eine Bewertung der Möglichkeiten und Grenzen von KI-Technologien im und für den Bildungsbereich – und dies immer wieder aufs Neue.
  2. „Automation der Entscheidung“ als grundlegende Funktionalität der KI-Technologien führt zu einem herausforderndem Verlust von persönlicher Autonomie, der eine kritische Neubewertung der Mensch-Maschine-Interaktion vor dem Hintergrund einer demokratischen Gesellschaft erfordert.
  3. Die Bewertung der Rolle von KI in Bildungsprozessen und -institutionen muss dabei die dynamischen Veränderungen durch die Digitalisierung in den Blick nehmen und zugleich Zukünftiges antizipieren. Dies bedeutet vor allem, KI-Algorithmen nicht nur anhand technischer Leistungsfähigkeit zu bewerten, sondern gesellschaftliche Auswirkungen ihrer Anwendung einzubeziehen. Daher müssen ethische Aspekte und Datenschutz ebenso wie relevante Erkenntnisse aus der Maschine-Mensch-Interaktion in die Bildungsdebatte einfließen.

Daraus leitet er zwei zentrale Forderungen an die institutionelle Bildung ab: Zum einen ist das Themenfeld „Künstliche Intelligenz“ als Lerngegenstand in Bildungsinstitutionen einzuführen. Zum anderen müssen KI-Anwendungen im Bildungsbereich transparent, rückverfolgbar und verifizierbar sein. Das Gebiet, welches sich mit dieser Problemstellung auseinandersetzt, wird „explainable AI“ (xAI) genannt. Erklärbarkeit/Interpretierbarkeit hat das Ziel, menschlichen Expert*innen zu ermöglichen, zugrundeliegende Erklärungsfaktoren – die Kausalität – zu verstehen, also warum eine KI-Entscheidung getroffen wurde, und so den Weg für eine transparente und verifizierbare KI zu ebnen.

In diesem Zusammenhang wird auch die Bedeutung von sprachlichem Handeln bzw. sprachlicher Bildung deutlich. „Sprachhandeln“ bedeutet immer, dass kommunikative Probleme gelöst werden. Die Akteure das Sprachhandelns interagieren immer in unterschiedlichen Diskursräumen. Diese Diskursräume werden jedoch zunehmend von Algorithmen dominiert, sodass man den Akteuren eher die Rolle der Lernenden zuschreiben kann, was auf die große Unsicherheit in Bezug auf KI-Technologien zurückzuführen ist. Dieser Unsicherheit soll jedoch u.a. mit explainable AI begegnet werden, was wiederum positive Auswirkungen auf sprachliches Handeln bzw. sprachliche Bildung hat.

Zum Ende seines Vortrages verweist Prof. Dr. Ballod noch einmal darauf, dass mit neuen Technologien auch eine neue Art des Lernens einhergeht. Demnach haben Technologie wie beispielsweise das Lernen mit einem Fernseher (Telelernen) oder aber Sprachlabore eine Revolution des Lernens eingeleitet. In diesem Zusammenhang lassen sich digitale Bildung und Didaktik beispielsweise in Form von neuen Formationen des sozial-medialen Lernens oder durch innovative Lehr-Lern-Szenarien realisieren. An dieser Stelle verweisen wir noch einmal auf die einen Beitrag vom [D-3]-Projekt mit dem Titel „Flexible Räume für didaktische Vielfalt“ sowie auf unsere Themenreihe „KI in der Bildung“, die neue Anhaltspunkte für die Diskussion rund im KI bieten.

Nach dem Impulsvortrag folgt ein Talk mit der inhaltlichen Tandem-Partnerin Prof. Dr. Katharina Scheiter, welcher das Thema um zusätzliche Perspektiven erweiterte. Moderiert wurde das Gespräch durch die Wissenschaftsjournalistin und KI-Fachfrau Eva Wolfangel. Das Publikum konnte anschließend Fragen stellen und sich direkt an der Diskussion mit den Expert*innen beteiligen.

Über KI & Wir*

Die KI & Wir*-Convention ist eine Initiative des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt in Kooperation mit science2public – Gesellschaft für Wissenschaftskommunikation und mit Unterstützung der Landeshochschulen Sachsen-Anhalts sowie weiterer Partner. KI & Wir* möchte gemeinsam mit einer Community aus Expert*innen und KI-Interessierten ausloten, wie lernfähig KI-Systeme in Sachen Sozialkompetenz und Diversität sind und wo sowohl für KI als auch für Benutzer*innen Nachholbedarf besteht.
Aus diesem Grund veranstaltet KI & Wir* seit 2019 gemeinsam mit zahlreichen engagierten Partner*innen die KI & Wir*-Convention. Nachdem im Jahr 2019 der Fokus auf dem Thema „KI und Gender“ lag, widmete sich die Convention 2020 der Frage, wie eine Künstliche Intelligenz der Zukunft Aspekte wie Fairness und Objektivität berücksichtigen kann.

Schluss

Falls euch dieser Blogbeitrag Lust auf mehr zum Thema rund um KI (in der Bildung) gemacht haben sollte, seid ihr herzlich dazu eingeladen am kommenden Mittwoch, den 20.01.21, um 18 Uhr an dem Vortrag von Prof. Dr. Matthias Ballod mit dem Titel „,Wir haben Ihr Ziel erreicht!‘ Intentionales Sprachhandeln in der Digitalkultur“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Imitatoren des Menschen“ teilzunehmen. Weitere Infos dazu findet ihr hier:

Quellen

KI in der Hochschulbildung. Whitepaper des KI-Campus

Im Rahmen der Beitragsreihe „KI in der Bildung“ haben wir uns bereits mit den Anwendungsmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz in Hochschulen-, aber allen voran in Schulen auseinandergesetzt. Kürzlich erschien nun das Whitepaper des KI-Campus „KI in der Hochschulbildung“, welches wir euch natürlich nicht vorenthalten können – zumal es den oben benannten Beitrag perfekt ergänzt bzw. erweitert. Aus diesem Grund haben wir euch die wichtigsten Argumente und Thesen des Whitepapers, sozusagen als kleines vorweihnachtliches Geschenk, in diesem Beitrag noch einmal zusammengefasst.

Vorspann

Künstliche Intelligenz durchdringt und verändert bereits jetzt nahezu alle Bereiche unseres menschlichen Lebens und wird dies auch mit Blick auf die Zukunft weiterhin verstärkt tun. Oftmals wird dieser Grad an Veränderung mit dem des Buchdrucks oder der Elektrizität verglichen. In diesem Zusammenhang sollen uns autonome Technologien wie Roboter oder selbstfahrende Autos zusehends von routinemäßigen oder gar gefährlichen Tätigkeiten entlasten. Doch solch lernende Maschinen werden nicht nur Routinetätigkeiten übernehmen, sondern darüber hinaus auch Entscheidungen treffen und Diagnosen stellen. Dementsprechend wird KI auch Studium und Lehre an Hochschulen zukünftig in großem Maße prägen und zeitweilige Lernkulturen sowie Selbstverständnisse an Hochschulen verändern.

Ziele des Whitepapers

Die Verschiebungen innerhalb des Mensch-Technik-Verhältnisses erfordern den bereiten Bedarf an KI-Kompetenzen sowie eine Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen beim Einsatz von KI in der Hochschulbildung. Je früher diese Verschiebungen wahrgenommen werden, desto eher können mögliche, durch KI verursachte Fehlentwicklungen der Hochschulbildung aufgefangen und durch eine sensible Gestaltung der Mensch-Technik-Interaktion in Zukunft vermieden werden.
Das Whitepaper „Künstliche Intelligenz in der Hochschulbildung“ möchte daher über die Möglichkeiten von KI in Studium und Lehre aufklären und ein Bild der Veränderungen der hochschulischen Lehr-Lern-Kultur sowie von möglichen Lehr-Lerninhalten durch KI zeichnen. Weiterhin stellt es Visionen für das zukünftige Hochschulstudium aus Sicht von Studierenden sowie Lehrenden vor, um letztlich zu verdeutlichen, in welchem Maße sich das Studium bereits in den kommenden Jahren verändern wird.

Chancen & Risiken von KI im Hochschulkontext

Von den KI-Technologien wird erwartet, dass sie mithilfe ihrer enormen Datenmengen selbst lernfähig sind und damit Studierende wie Lehrende individuell unterstützen. Tatsächlich können KI-Systeme in der Bildung durchaus Diagnosen zum Wissensstand anstellen, fachspezifische Kompetenzen vermitteln, Lerninhalte empfehlen, Wissensstandards sowie Kompetenzen der Lernenden darstellen, Selbsteinschätzungen durch Feedbacksysteme unterstützen oder (unterstützende) Maßnahmen an Lernende anpassen.
Jedoch bringt die neue Technologie auch allerhand Befürchtungen und kritische Diskurse beispielsweise aufgrund zu erwartender Kontrollverluste oder der Befürchtung, dass der Mensch durch die Maschine entmündigt werden könnte, mit sich. Dementsprechend stellt KI nicht nur ein Technologieversprechen-, sondern auch gleichzeitig eine Kompetenzanforderung dar. Sie kann Hochschulbildung verändern und verbessern sowie Studierenden und Lehrenden neue Handlungsmöglichkeiten und Freiheitsgrade bieten. Doch diese Möglichkeiten gilt es, menschenzentriert, kompetent, informiert und reflektiert zu nutzen.

Zentrale Abschnitte & Thesen

Auf Grundlage vier zentraler Abschnitte zeigt das Whitepaper weiterhin mögliche Wirkungsbereiche sowie entscheidende Themenfelder von KI im hochschulischen Kontext auf. Dabei ist der Einsatz von KI grundsätzlich sowohl stets als Chance als auch gleichzeitig als Herausforderung zu verstehen. KI bietet der Hochschulbildung großes Potential, wenn sie reflektiert, informiert und nach europäischen Standards gebraucht wird, so die Autor*innen. Der Einsatz und die Reflexion digitaler Technologien sollte sich weiterhin immer an den übergreifenden Zielen der Hochschulbildung orientieren. In diesem Zusammenhang leiten die Autor*innen die folgenden zentralen Abschnitte sowie die dazugehörigen Thesen ab:

Mit KI lehren und lernen

Der Schwerpunkt liegt auf den Potentialen des KI-unterstützen Hochschulstudiums.

Über KI lehren und lernen

Der Schwerpunkt liegt auf den notwendigen Kompetenzen von Studierenden und Lehrenden, möglichen inhaltlichen Schwerpunkten sowie den Formaten, mit denen KI-Kompetenzen vermittelt werden können.

KI und Ethik im Hochschulkontext

Der Schwerpunkt beschreibt die Notwendigkeit von Transparenz, Vertrauen und ethischen Leitlinien sowie Maßnahmen gegen einen Technologiedeterminismus.

Zukunftsperspektiven für KI in der Hochschulbildung

Der Schwerpunkt liegt auf einer Hochschulbildung, durch KI unterstützt wird und kompetent ist in der Vermittlung von KI, wie wir sie in den nächsten Jahren erwarten können.

Fazit

Wie für alle Wirkungsbereiche von KI gilt auch im Hochschulkontext, dass die autonomen Technologien in erster Linie stets dem Menschen dienen sollen, in dem Sinne, dass lernende Maschinen möglichst vielen Menschen einen Vorteil bringen und/oder einen Nachteil ausgleichen. Darüber hinaus überschlagen sich die technischen Entwicklungen um Künstliche Intelligenz nahezu. Dementsprechend ist schnelles Handeln gefragt. Nichtsdestotrotz dürfen ethische Fragestellungen sowie die Vermittlung von KI-Kompetenzen nicht vernachlässigt werden – im Gegenteil: Sie bilden die Basis für einen aufgeklärten und damit gelungenen Einsatz von KI (in Hochschulen). 

In diesem Zusammenhang erscheint das Interview der Professorin für Bildungstheorie und Medienpädagogik, Claudia de Witt, als eine gute Zusammenfassung bzw. Ergänzung zu den angebrachten Ausführungen:

Damit verabschieden wir uns in die Weihnachtsferien! Wir wünschen euch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Bleibt gesund!

Release Radar: Klar-text in Organisationen. Ein Ratgeber zur Optimierung adminis-trativer Informationen

Im diesem Beitrag möchten wir euch auf das kürzlich erschienene Buch „Klar-text in Organisationen“ von Prof. Dr. Matthias Ballod aufmerksam machen.

Der Autor untersucht darin die Kommunikation von Verwaltungen und Behörden und liefert Handlungsempfehlungen um aufzuzeigen, wie mit einfachen sprachlichen und gestalterischen Regeln jedwede Form von Verwaltungstexten leicht zu verbessern ist. Er beschreibt, wie es unter Beachtung der Themen Anleiten, Motivieren, Befähigen und Orientierung gelingen kann, die formale, juristische Absicherung der Organisation einerseits und die Verständlichkeit der Texte für Laien andererseits zu realisieren.

Der Inhalt

  • Wer oder was ist verständlich?
  • Das Projekt ‚start-klar‘
  • Handlungsempfehlungen

Die Zielgruppe

  • Dozierende und Studierende der Fachbereiche Kommunikation, Verwaltungswissenschaften
  • Praktiker und Praktikerinnen in der Organisationskommunikation, im Bildungswesen und der Verwaltung

Der Autor

Prof. Dr. Matthias Ballod ist Universitätsprofessor für Sprach-, Literatur- und Informationsdidaktik; Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Didaktisierung der Wissenskommunikation in Schulen und Hochschulen, der Einsatz digitaler Bildungsmedien (online, offline) und die Prozessoptimierung der internen Kommunikation in Organisationen.

Ihr könnte das Werk sowohl bei Springer als Ebook als auch bei Amazon in Form eines Taschenbuchs erwerben. Außerdem findet Ihr weitere Informationen zum Hintergrund des Buches auf der Website des Projekts ,start-klar‘:

Release Radar: Kinderlied-App „Songs of Cultures“

Seit heute, pünktlich zum dritten Advent, ist die Augmented-Reality-App „Songs of Cultures“ im App-Store verfügbar. Wir sind selbst so „geflasht“ davon, dass wir euch die App quasi als kleines vorweihnachtliches Geschenk in dem folgenden Artikel vorstellen möchten. Vielleicht seid ihr ja am Ende genauso begeistert, wie wir es sind!

Songs of Cultures - Pressemitteilung

Eine echte Neuheit! “Songs of Cultures” Musik-App bringt Kindern die Liebe zu anderen Kulturen und Sprachen bei – mit der Magie von Augmented Reality

Hallo Welt!
Zum dritten Advent lassen wir Kinderherzen höher schlagen, denn am 13.12.2020 kommt “Songs of Cultures” in den App Store . Die witzige Musik-App zaubert Kinderlieder mit der Magie von Augmented Reality in den Raum. Dadurch lernen unsere Kinder die Liebe zu anderen Kulturen und Sprachen eine echte Neuheit, die Familien, Kitas, Schulklassen und die ganze Welt näher zusammenbringt!

Mit Neugier und Spaß erleichtert die App die Integration von Kindern in eine neue Umgebung und die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft. Ideal für Kinder im Alter von 2 bis 7 Jahren . Die App wird stetig um neue Lieder erweitert und ist bis zum 19.12.2020 kostenlos .

Bitte: Berichtet über uns! Probiert sie aus! Teilt Fotos und Videos mit der charmanten Tierband. Unterstützt uns bei der Vermittlung von Liebe und Weltoffenheit, indem ihr eine positive Bewertung da lasst! Wir freuen uns riesig, wenn ihr dabei genauso viel Spaß habt wie wir! ❤

Mehr Infos unter: songsofcultures.com Und im Presskit Videolink : Hier
Folgt uns auf: instagram.com/songs.of.cultures, facebook.com/songsofcultures, twitter.com/SongsOfCultures

Highlights der App

  • Lerne Kulturen und Sprachen kennen mit der Magie von Augmented Reality
  • Beliebte Lieder aus Vietnam, Deutschland und Großbritannien
  • Für Kinder musiziert – von preisgekrönten Künstlern wie dem Kinderliedermacher Toni Geiling & dem Lotus Ensemble
  • Mitreißende Tiere singen & spielen authentische Instrumente
  • Hilft bei der Integration – für Kinder, Eltern und Großeltern sorgsam auf kulturelle Besonderheiten abgestimmt
  • Mitsingen und Karaoke-Modus
  • Vokabel-Modus zum Hören, Verstehen & Nachsprechen, mit Übersetzungen
  • Lustige Fotos machen & mit der ganzen Familie teilen – von dir mit der witzigen Tierband!
  • Kinder- und Großeltern-gerechte Interaktionen
  • App-Sprachen: Deutsch, Vietnamesisch, Englisch

Über uns

Wir sind A.MUSE – ein Kreativstudio für emotionale Mixed-Reality-Erlebnisse. Wir kombinieren Kunst, Design mit modernster Technologie, um unvergessliche Welten zu schaffen. Wir sind Gründerinnen. Wir sind “Moms in Tech”. Wir sind Immigrantinnen. Mit unserem Team kreieren wir verspielte, begeisternde und lehrreiche Erfahrungen, die Menschen verbinden und glücklich machen. ”Design for Happiness” ist gemeinsame Mission – für eine Zukunft mit mehr Vielfalt und Mitgefühl!

Die Idee unseres Herzensprojektes “Songs of Cultures” stammt von Mitgründerin und Migrantin-Mama Minh, geboren in Vietnam, aufgewachsen in Deutschland – aus dem Wunsch heraus, ihrer 3-jährigen Tochter Mira die eigenen Wurzeln zu zeigen, ihre multikulturelle Familie näher zusammenzubringen und Weltoffenheit zu vermitteln.

Relevante Informationen und Medien (Bilder, Videos etc.) über uns finden ihr in unserem Pressekit: http://amuse.vision/presskit/

Vielen Dank vorab. Wir freuen uns darauf, von euch zu hören.
Herzliche Grüße aus Halle (Saale)
Stay safe & happy

Binh Minh Herbst & Christin Marczinzik
Gründerinnen von A.MUSE – Interactive Design Studio

Weitere Infos

ANWENDUNGSBEREICHE

  • Kitas 
  • Grundschulen
  • Zuhause

LIEDER IN DIESER VERSION

  • Vietnamesisch: “Trống Cơm” (Reistrommel)
  • Deutsch: Ich bin ein Musikante
  • Englisch (U.K.): “Old MacDonald had a farm” (Old MacDonald hat ’ne Farm)

WERBEFREI UND OFFLINE SPIELBAR

Erlebt Eure Lieblingslieder komplett werbefrei und sicher in der Nutzung. Benötigt keinen Internetzugang.

KOMPATIBLE GERÄTE FÜR AUGMENTED REALITY 

  • Nur Geräte mit iOS 11 und neuer
  • Nur iPhones 6S und neuer 
  • Nur iPad 2017, iPad Pro und neuere Versionen

SICHERHEIT & DATENSCHUTZ

  • Diese Anwendung erfordert Zugriff auf die Kamera deines Geräts für Augmented Reality.
  • Sicher & privat: Es werden keine persönlichen Daten erfasst oder gespeichert. Keine Internetverbindung erforderlich.
  • Diese App fördert die Bewegung im physischen Raum, also achtet bitte auf eure Umgebung.

News: Märchen in Geschichte und Gegenwart. Praxis Deutsch Nr. 284/2020

Auf den Seiten 48 bis 53 der neusten Ausgabe von „Praxis Deutsch“ findet Ihr einen Beitrag bzw. ein Unterrichtsmodell mit dem Titel: „Auschwitz ist nicht vom Himmel gefallen“ Zum Antijudaismus in den grimmschen Märchen am Beispiel des Juden im Dorn“ von Dr. Michael Reichelt. Das Modell (ab Klasse 11) geht am Beispiel des berüchtigten, aber heute weitgehend vergessenen Märchens Der Jude im Dorn antisemitischen Tendenzen bei den Brüdern Grimm nach, ordnet sie historisch ein und thematisiert ihre möglichen Nachwirkungen bis in die Gegenwart.
(PD 284, S. 10)

News: Staatsexamen SoSe 2021 – Arbeit unter Aufsicht – Sprachwissenschaft

Am Freitag, 11. Dezember 2020, 12-13 Uhr, bietet Prof. Dr. Staffeldt  eine Konsultation zur Vorbereitung der „Arbeit unter Aufsicht“ im  kommenden Staatsexamen an.

Rahmenthema: Gesprochene Sprache/Gesprächsanalyse

Ort: Videokonferenz – URL und Zugangsdaten: nach Anfrage per Mail an 

Veranstaltungstipp: Deutschdidaktik im Dialog – Schule im Wandel?! Der Deutschunterricht als Ort digitalen Lernens

Was?

Veranstaltung

Wann? 

03. Dezember 
17.15 – 19.00

Wo? 

Online

Wer?

vorrangig Studierende aller Schulformen des Fachs Deutsch, Dozierende Deutschlehrer*innenbildung, Deutschlehrer*innen

Aus der Veranstaltungsreihe „Deutschdidaktik im Dialog“, Nr. 8:

Mit dieser Veranstaltung soll die Rolle von Schulen und speziell des Deutschunterrichts in Zeiten der digitalen Transformation, insbesondere unter den Bedingungen der aktuellen Corona-Situation näher beleuchtet werden. Es soll dabei einerseits darum gehen, warum und wie sich Schule (mehr denn je) im Wandel befindet, welche Auswirkungen dies hat und welchen Beitrag der Deutschunterricht zur Gestaltung dieser Herausforderung leisten kann. Dazu werden drei Vertreter*innen schulischer Praxis eingeladen, die von ihren Erfahrungen im Umgang mit schulischer Medienbildung im (Deutsch-)Unterricht berichten und zu aktuellen Fragestellungen diskutieren. Im Anschluss haben alle Teilnehmer*innen im offenen Austausch die Gelegenheit, ihre persönlichen Erfahrungen zu teilen und sich gemeinsam zur Rolle des Deutschunterrichts und möglichen Szenarien für zeitgemäßes Lehr-Lernen in der Kultur der Digitalität zu verständigen.

Zur Veranstaltung gelangt Ihr über folgenden Link: https://mluconf.uni-halle.de/b/mar-zgc-mfm-bkw

Mehr zur Veranstaltungsreihe „Deutschdidaktik im Dialog“ erfahrt Ihr hier.