Nachrichtenkompetenz – Kinder und Jugendliche sicher durch die Informationsflut navigieren

Facebook, Instagram und Twitter bieten unzählige Möglichkeiten, sich mitzuteilen, zu vernetzen und auszutauschen. Für viele Kinder und Jugendliche gehören diese sozialen Medien zur alltäglichen Lebenswelt dazu wie das Zähneputzen. Eine Welt ohne Internet ist für die Schülerinnen und Schüler von heute gar nicht mehr vorstellbar. Sie bekommen ihre Nachrichten aus sozialen Netzwerken und informieren sich auf Blogs über die neusten Ereignisse.

Doch gerade dadurch werden diese jungen Menschen vor eine ganz neue Herausforderung gestellt: Sie müssen selbst Informationen, Quellen etc. prüfen. Darin liegt auch gleichzeitig die Gefahr, dass die Kinder und Jugendlichen auf bewusst gestreute Falschmeldungen, sogenannte Fakenews, reinfallen.

Diese Fakenews können Vorurteile schüren, Menschen aufhetzen und im schlimmsten Fall Wahlen beeinflussen. So sind sie, spätestens seit dem US-Wahlkampf 2016, in aller Munde.

Obwohl das Thema „Nachrichtenkompetenz“ allen Anschein ein sehr wichtiges ist, findet es in der Bildungspolitik nach wie vor nicht genügend Beachtung. Das belegt auch die Studie „Nachrichtenkompetenz durch die Schule“, die von 2015 bis 2017 am Institut für Kommunikationswissenschaften der TU Dresden durchgeführt wurde.

„Nachrichtenkompetenz“ – Was ist das überhaupt?

Die Fähigkeit, journalistische Inhalte verstehen-, kritisch beurteilen- und effektiv nutzen zu können, bezeichnet man als „Nachrichtenkompetenz“. Sie ist nötig, um aus der Flut an Inhalten verlässliche Informationen herauszufiltern und sich auf Basis dessen eine fundierte Meinung zu gesellschaftlichen Prozessen bilden zu können. Damit bildet sie die Grundlage für ein funktionierendes, demokratisches Gemeinwesen.

Ergebnisse der Studie

In der Studie wurden Vorgaben der Kultusministerkonferenz, Lehrpläne, Schulbücher, Projektbeschreibungen von Landesmedienanstalten sowie Studienverordnungen von Lehramtsstudiengängen untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig:

Kinder und Jugendliche werden in der Schule mangelhaft auf den kompetenten Umgang mit Informationen und Nachrichten vorbereitet.

So gehen beispielsweise die Vorgaben der Kultusministerkonferenz kaum auf den kompetenten Umgang mit Medien im Kontext von Information und Meinungsbildung ein.
Auch weniger als die Hälfte der untersuchten Lehrpläne thematisieren Aspekte der Nachrichtenkompetenz. Sie konzentrieren sich hingegen auf die Vermittlung von Grundlagenwissen sowie auf die inhaltliche Auseinandersetzung mit journalistischen Inhalten.
In Schulbüchern wird der Nachrichtenkompetenz ein deutlich höherer Stellenwert zugeschrieben. Trotzdem kommt die öffentliche Aufgabe der Medien und deren Rolle für die freie Meinungsbildung sowie die digitalen Wege der Nachrichtenvermittlung zu kurz.

Zusammenfassend werden die untersuchten Vorgaben und Materialen dem aktuellen Nachrichtennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen nicht gerecht.

Vor allem die gesellschaftliche Relevanz von Nachrichten sowie die Bedeutung der Nachrichtennutzung für die eigene Informiertheit werden stark vernachlässigt. Darüber hinaus führt die fehlende Thematisierung von Nachrichtenkompetenz in der Lehrerausbildung zu Wissenslücken zukünftiger Lehrkräfte.

Im Anbetracht der mangelnden Voraussetzungen für eine nachrichtenkompetente Ausbildung in der Schule hängt dementsprechend die tatsächliche Vermittlung von Kompetenzen im Umgang mit journalistischen Inhalten im Schulunterricht stark von dem individuellen Engagement und Wissensstand der Lehrkräfte ab.  

Hürde Informationsbewertung überwinden

Die Studie „Gerüchte im Netz: Wie bewerten Jugendliche Informationen aus dem Internet?“ des österreichischen Instituts für Jugendkulturforschung zeigt, dass Informationsbewertung für viele junge Menschen eine echte Herausforderung darstellt. 61 Prozent der Befragten stimmte so ab. Weiterhin gaben 86 Prozent der Befragten an, Falschmeldungen nicht immer erkennen zu können. Diese Zahlen zeigen, dass Lehrkräfte das Thema „Nachrichtenkompetenz“ insgesamt stärker im Unterricht aufgreifen müssen.

Ein möglicher Zugang besteht in Diskussionen über die aktuelle Nachrichtenlage. Anhand der aktuellen Themen kann man dann gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern reflektieren, wie sie überhaupt zu den Informationen gekommen sind und welche Schritte der Recherche sie unternommen haben. Daran lässt sich dann wunderbar das Thema „Fake News“ anknüpfen.

Fazit

Unserer Meinung nach ist es besonders wichtig, den Lernenden zu vermitteln, welche Absichten hinter der Verbreitung von Fake News stecken und in welcher Form ihnen solch manipulierende Informationen begegnen können. Weiterhin sollten Kinder und Jugendliche Kriterien an die Hand bekommen, um den Wahrheitsgehalt von Informationen prüfen zu können.

Weitere hilfreiche Links, um das Thema „Nachrichtenkompetenz“ im Unterricht aufzugreifen:

Publikationen zum Thema von der Professur:

2 Gedanken zu “Nachrichtenkompetenz – Kinder und Jugendliche sicher durch die Informationsflut navigieren

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